Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Verschlafen ... Schawuot

Am Rockzipfel des Judentums: das ''jüdische Pfingsten''.

Blick auf den Sinai.

Am 15. und 16. Mai 2013 feiern Jüdinnen und Juden Schawuot, ursprünglich ein Erntefest, heutzutage vornehmlich das Fest zur Gabe der Tora auf dem Sinai. Die Nacht zum Beginn des Festes wird Tora lernend durchwacht. Zur Erklärung für diesen Brauch heißt es im Midrasch zum Hohen Lied, die Israeliten wollten nicht unausgeschlafen am Sinai erscheinen und gingen deshalb besonders zeitig schlafen. Sie ruhten so gut, dass sie verschliefen und Mose sie wecken musste.
Verschlafen hat die Redakteurin von reformiert-info, den Hinweis auf Schawuot rechtzeitig vor dem Fest veröffentlichen.

Schawuot ist eins der drei jüdischen Wallfahrtsfeste, neben Pessach und Sukkot. Übersetzt heißt das hebräische Chag ha Schawuot Fest der Wochen. Das Fest fällt auf den 6. Siwan, sieben Wochen und einen Tag nach dem ersten Pessach-Tag. Aus dem Zeitpunkt des fünfzigsten Tags nach Pessach entstand im griechischen der Name "Pfingsten" von "pentekoste" = fünfzigster (Tag). Mittlerweile gehört diese Bezeichnung zum christlichen Sprachgebrauch.
Die Bibel beschreibt Schawuot als Fest zur Ernte der ersten Früchte, etwa in 2. Mose 23,16.
Der Talmud betrachtet Schawuot als einen Abschluss von Pessach und nennt es deshalb Azeret = Abschluss, oder auch Versammlung. Dazu erklärt Alfred J Kolatsch: "Pessach symbolisierte des physische Befreiung Israels aus der ägyptischen Sklaverei und Schawuot die freie Annahme der Thora, die moralische Befreiung. Damit wurden die Ereignisse in ihrer Gesamtheit abgeschlossen. Als man die Verbindung zwischen Schawuot und der Offenbarung am Berg Sinai hergestellt hatte, wurde das früher bäuerliche Fest zu dem Tag, an dem man die Thora feiert."

Die Bar Mizwa für Jungen und die Bat Mizwa für Mädchen wird traditionell zu Schawuot gefeiert.

Milchspeisen und Süßes gehören ebenfalls zum Fest, denn Israel wurde befreit zu einem Leben im Land, "wo Milch und Honig fließt" und die Tora ist für den Geist so süß und angenehm wie Milch und Honig für die Lippen. Das sagt nach rabbinischer Auslegung das Hohelied (4,11): "Von deinen Lippen, meine Braut, träufelt Honigseim".

Zu Schawuot in der Synagoge gehört das aramäische Gedicht Akdamut. Es beginnt so:

"Wären alle Flächen des Himmels
aus Pergament,
Und alle Bäume der Welt
Schreibfedern,

Wären alle Meere, Flüsse und Seen
mit Tinte gefüllt,
Und alle Menschen der Welt
Schriftsteller und Schreiber;

Würde es noch immer nicht ausreichen,
um die Grösse und die Herrlichkeit G-ttes
zu beschreiben."

Quellen:
Artikel in der Jüdischen Allgemeinen vom 9. Mai 2013
Alfred J. Kolatch, Jüdische Welt verstehen. Sechshundert Fragen und Antworten, Wiesbaden 197 (amerikanische Originalausgabe 1981)

 

Dieser Beitrag ist Teil der Serie "Am Rockzipfel des Judentums - Freitags ein Denkanstoß aus dem Hause Israel"
in Anlehnung an Sacharja 8,23, wo der HERR der Heerscharen spricht:
"In jenen Tagen, da ergreifen, ja ergreifen zehn Menschen aus allen Sprachen der Nationen den Zipfel einer einzigen jüdischen Person und sagen: 'Wir wollen mit euch gehen; denn wir haben gehört: Mit euch ist Gott.'" (BigS)

 


Barbara Schenck, 15. Mai 2013
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Freitags ein Denkanstoß aus dem Hause Israel

 

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