Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Das reformierte Verständnis vom Abendmahl

Bbiblische Grundlagen, reformatorische und ökumenische Erkenntnis

Das Abendmahl feiern die Christen im Gedenken an und aus Dankbarkeit (Eucharistie = Dankesfeier) dafür, dass Jesus Christus für uns Menschen gestorben und auferstanden ist. Grundlage sind Berichte der Evangelien und des Apostels Paulus von einem gemeinsamen Abendessen Jesu mit seinen Jüngern am Abend vor seiner Kreuzigung (Gründonnerstag).

Das Abendmahl ist nach der Taufe die symbolträchtigste Handlung in einem christlichen Gottesdienst. Schon früh in der Geschichte des Christentums gibt es verschiedene Auffassungen, was während des Abendmahls geschieht. Die Interpretationen reichen von einem stark mystischen Geschehen (aus Brot und Wein wird tatsächlich Fleisch und Blut) bis zu einem rein symbolischen Gedächtnismahl. Zwischen der römisch-katholischen Kirche und den protestantischen Kirchen gibt es bis heute keine offizielle Abendmahlsgemeinschaft.

Reformiertes Verständnis
Das Verständnis des Abendmahls ist in der reformierten Tradition unterschiedlicher als es oft dargestellt wird. Während der Reformator Ulrich Zwingli ein eher symbolisches Verständnis vertrat (und sich deswegen mit Martin Luther nicht einigen konnte), hatte Johannes Calvin mit der Abendmahlauffassung Luthers kein Problem. Trotzdem blieb das Abendmahlsverständnis über Jahrhunderte das (angeblich) Trennende zwischen Lutheranern und Reformierten. In der Leuenberger Konkordie von 1973 wurden diese Unterschiede als nicht länger kirchentrennend beurteilt.
Ein bis heute andauernder Unterschied dürfte in der Abendmahlspraxis liegen. Gefeiert wird das Abendmahl von Reformierten allerdings auch auf ganz unterschiedliche Weise:

- Je zwölf Gottesdienstbesucher sitzen mit der Pfarrerin / dem Pfarrer um den Abendmahlstisch (der ausdrücklich nicht als „Altar“ bezeichnet wird)

- Brot und Wein werden durch die Bänke gegeben (von den Herrnhutern übernommene Form)

- Die Gemeinde stellt sich in Gruppen um den Abendmahlstisch und gibt Brot und Wein durch die Reihe.

Die Häufigkeit der Abendmahlsfeiern und deren Stellung im reformierten Gottesdienst haben sich über die Jahrhundert und zum Teil auch regional sehr unterschiedlich entwickelt. Während Calvin noch die wöchentliche Abendmahlsfeier forderte, gab es in Zeiten des reformierten Pietismus eine regelrechte Abendmahlsscheu und entsprechend seltene Gelegenheiten (bis hin zur nur einmal jährlichen Feier am Gründonnerstag). Inzwischen hat sich die Regelung der einmal monatlichen Abendmahlsfeier im Gottesdienst eingebürgert.
Unverzichtbar ist für eine reformierte Abendmahlsfeier, dass alle Beteiligten Brot und Wein (heute oft auch Traubensaft) zu sich nehmen und dass die biblischen Einsetzungsworte (nach 1. Brief des Paulus an die Korinther 11, Verse 23-26) gelesen werden.

Links/Literaturtipps:


Georg Rieger
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