Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Gethsemane

Jesu Weg durch Verzweiflung und Trotz

Die schlafenden Jünger, Ausschnitt aus: "Christus am Ölberg" von Rembrandt (1657)

Karl Barth über Jesu Beten in Gethsemane und die schlafenden Jünger: Jesus Christus wacht „für uns“.

Jesu Zittern und Beten –
aus einer Predigt zu Markus 14, 32-42

„… Etwas hören vom Gebet Jesu in Gethsemane:
Jesus hat gebetet: Also nicht nur gezittert …, nicht sich sinken lassen in den Abgrund der Angst – wie hätte er das als der Sohn Gottes tun dürfen?
Also sich nicht trotzig auf sich selbst gestellt: Hilf dir selbst …! – wie hätte er das als ehrlicher Mensch tun können? Es ging um das Werk der göttlichen Gnade. Konnte nicht geschehen inmitten der Menschen, wenn nicht die Gnade Gottes gesucht wurde in der Bewegung des Gebetes, in der sich der Mensch Gott anbefiehlt und zur Verfügung stellt: der Weg mitten hindurch durch Verzweiflung und Trotz. Daran hängt für uns Alles, dass Jesus diesen Weg gegangen ist, gebetet hat und noch betet.
Jesus hat als rechter Mensch gebetet: dass die Stunde, der Kelch vorübergehe. Alles nicht mehr sehen, was vor seinen Augen! Zorn Gottes nicht leiden müssen! Ist Gott nicht allmächtig? Könnte er es nicht auch anders wollen und machen? Wie ist uns Jesus hier so nahe! So beten wir doch: Mach es nicht, deine Allmacht, so wie wir es (als das Leichtere) gerne haben möchten. ‚Verschon uns Gott mit Strafen …’ Eben so hat auch Jesus gebetet. Wie deutlich, daß er es wirklich an unserer Stelle und für uns getan hat! …“
Aus: Karl Barth, Predigt zu Markus 14, 32-42 (1941), in: ders., Predigten 1935-1952, hrsg. von Hartmut Spieker und Hinrich Stoevesandt (Gesamtausgabe Abt. I), Zürich 1996, 239-245, hier 242.

Die schlafenden Jünger und Jesu Wachen „für uns“

„… das völlige Versagen der Christenheit, der Kirche, Jesus gegenüber, ihre notorische Nichtteilnahme an seinem entscheidenden Tun, die furchtbare Einsamkeit, in der sie ihn ließ und in der er ganz allein – nicht mit ihnen, sondern ohne sie und so für sie – tun musste und getan hat, was zu tun war. Wenn irgend etwas das reine ‚für uns’ als Inhalt des Evangeliums deutlich macht, dann diese Seite des Gethsemanegeschehens, in welchem die Tat Gottes in Jesus Christus nun wirklich keine, gar keine Entsprechung in der Existenz der an ihn Glaubenden hat: sie konnten nicht eine Stunde mit ihm wachen. Er allein hat an ihrer Stelle gebetet und gewacht.“
Aus: KD IV/1, 295.


bs, 2008
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… gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, abgestiegen zu der Hölle …

Johannes Calvin im „Unterricht in der christlichen Religion“ (Institutio) zu Leid, Tod und Höllenfahrt Jesu Christi – in Auslegung der Worte des Apostolischen Glaubensbekenntnisses
Ein Jünger Jesu, ein Apostel, ein „Verräter“, ein reuiger, büßender Sünder

Sein Kuss hat ihn berühmt gemacht: Judas Iskariot. Er war einer der zwölf Jünger, die Jesus besonders nahe standen. Mit einem Kuss als Zeichen überlieferte er seinen Herrn und Freund den Gegnern. Der „Judaskuss“ wurde zu einem Symbol des schlimmsten Vertrauensbruchs. Der Name „Judas“ ist mit so negativen Assoziationen verbunden, dass in Deutschland ein staatliches Gesetz verbietet, einem Kind diesen Namen zu geben. Dem biblischen Judas wird dieses negative Bild nicht gerecht. Karl Barth nennt Judas „in seiner ganzen Negativität“ eine „einzigartig positive Figur“.
Karl Barth predigt Karfreitag

Die Karfreitagsbotschaft sei „nichts Anderes als die Weihnachtsbotschaft“ und: Wir alle seien mit Jesus gekreuzigt worden, verkündigt Karl Barth im Blick auf das Kreuz Christi.
 

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