Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Litanei auf den Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus

Von Helmut Ruppel

©Andreas Olbrich

Gedenken wollen wir der Vergessenen, der Verdrängten,
denen man das Leben genommen hat, nach dem man ihnen den Namen stahl,
die Würde geraubt hatte, denen man kein Grab gelassen hat ...

Gedenken wollen wir der Juden, deren Gotteshäuser schon 1938 brannten,
deren Schriftrollen deiner Worte verbrannt wurden so wie bald darauf 6 Millionen
deines Volkes.

Gedenken wollen wir der Sinti und Roma, als »Zigeuner« gehasst, von denen
mehr als 500 000 Opfer des Volkermordes wurden.

Gedenken wollen wir der Ernsten Bibelforscher, Pazifisten, die den Wehrdienst
verweigerten, der Deserteure, der ungenannten und unbekannten Opfer nationaler Anmaßung und Mordlust.

Gedenken wollen wir der Kommunisten, Sozialdemokraten, politischen Gegner des Nationalsozialismus hier und in den Ländern Europas, die – mehr als 150 000 – bis in den Tod verfolgt wurden.

Gedenken wollen wir der Behinderten, denen man das Recht auf Leben absprach und durchstrich. Man sagte »Gnadentod« und mordete mit Giftgas und Injektionen dein Antlitz.

Gedenken wollen wir der Schwulen und Lesben, die mit tödlichem Hass verfolgt wurden, totgeschlagen, totgeschwiegen wurde lange ihre Geschichte.
Ihr Mahnmal jüngst wieder zerschlagen.

Gedenken wollen wir der Zwangsarbeiter und der Kriegsgefangenen in Europa.
Dreieinhalb Millionen sowjetischer Gefangener verhungerten, starben an Erschöpfung im Elend der Erniedrigungen.

Gedenken wird uns schwer – die Schande des Schweigens und der Schuld ist so schwer. Wir wollten es nicht wahrhaben, dass du Gott aller Menschen bist. Wir wollten es nicht wahrhaben – wir bitten um Vergebung und um Zeit für neue Wege der Versöhnung.

Litanei von Helmut Ruppel,
aus der Predigthilfe von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste »Mache an mir ein Zeichen zum Guten« (Psalm 86,17) zum Gedenktag 27. Januar. pdf >>>

 

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Nach Gott fragen und klagen

"Bewahre deine Seele gut, dass du nicht vergisst" (5. Mose 4,9). Die Aufforderung: Erinnere dich! ist ein biblischer Ruf. Der Gedenktag 27. Januar ist somit auch für reformierte Gemeinden ein besonderer Tag, den Opfern des Nationalsozialismus zu gedenken. Predigthilfen, Gottesdienstentwürfe und Texte, die sich der Frage stellen: Wo war Gott in Auschwitz? hier auf reformiert-info.
 

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