Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

EKM: Landesbischöfin Ilse Junkermann zum Osterfest 2010

''Blickwechsel: Vom Menschen her denken''

Ilse Junkermann, Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), äußert sich zum bevorstehenden Osterfest: "Können wir auf ein neues Leben hoffen? Das ist die Frage zwischen Karfreitag und Ostern.

Jesus war am Karfreitag gekreuzigt worden. Die Jünger waren geschockt und verängstigt. Ihre Hoffnung war am Kreuz gestorben. Dann erfahren sie am Ostermorgen, dass der Tod doch nicht das letzte Wort hat. Sie begegnen Jesus auf neue Weise und erleben einen Aufbruch zurück ins Leben. Diese Osterhoffnung können alle Menschen erfahren.

Mit dem Osterfest bekräftigt Gott: Wir Menschen sollen Bilder des Lebens in der Welt sein. Wir können uns, auch angesichts von Leid, Not und Tod, dem Leben zuwenden. Deshalb suchen Kinder Ostereier. Das Ei ist ein Symbol für das Leben. Bilder des Lebens sein, auf neues Leben hoffen, das können wir, wenn wir von den Menschen her denken. Unser Blick auf die Menschen und die Welt kann und soll anders werden.

Ein österlicher Blick ist zum Beispiel, wenn wir als einzelne und als ganze Gesellschaft danach sehen, was Menschen zum Leben brauchen, nicht nur fragen, was ihnen als Hartz IV-Empfängern zuzugestehen ist. Auch in der Bildung brauchen wir den österlichen Blickwechsel. Es genügt nicht, zu fragen, mit welchem Wissen müssen Kinder die Schule verlassen, um in der Marktwirtschaft bestehen zu können. Kinder und Jugendliche leiden zunehmend unter Leistungsdruck und Stress und verlieren so die Freude am Lernen und Entdecken. Wir sollen von den Kindern her denken und fragen, wie Kinder wirklich lernen können. Ich bin mir sicher, sie wollen lernen – oft nur offener und lebensnäher und weniger unter dem Diktat von Stundenplänen und Notenstress.

An Ostern wird unser Blick auch zu Menschen gelenkt, die in Trauer sind – weil sie einen Menschen verloren haben, weil sie schwer erkrankt sind, weil sie keine Arbeit haben. Sie brauchen Mitmenschen, die mit ihnen im Gespräch bleiben und die Ohnmacht aushalten, die mit ihnen österlich hoffen auf neues Leben. Gott hält nicht seine Hände über das Bestehende. Er sagt uns: Siehe, ich mache alles neu. In diesem Sinne wünsche ich ein frohes und gesegnetes Osterfest."


Pressemitteilung der EKM, 30. März 2010
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Blickwechsel - Hoffnung - Auferstehen mit Johnny Cash - Glauben wir, dass Jesus lebt?
 

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