Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Pfingstbotschaft 2010 der Präsidentinnen und Präsidenten des ÖRK

''Heute ist der Ruf zur Umkehr wichtiger denn je ...''

Foto: Bill McChesney

''Tut Buße und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes.'' (Apostelgeschichte 2, 38)

Wie bei dem ersten Pfingstfest werden Christen auch in diesem Jahr auf der ganzen Welt in ihren Kirchen in Hunderten von Sprachen Pfingsten feiern und Loblieder zur Ehre Gottes anstimmen.

Jesu Jünger empfingen damals die Gabe des Heiligen Geistes, weil sie vertrauensvoll darauf gewartet hatten. Sie hatten sich versammelt, um im Vertrauen auf Gottes Verheißung zu warten.

An jenem Pfingstmorgen war Jerusalem voller Pilger und Pilgerinnen, die gekommen waren, um das Fest des neuen Brotes miteinander zu feiern; unter ihnen war die kleine Gruppe der demütigen Freunde von Jesus Christus, dem Auferstandenen. Und die Verheißung erfüllte sich: der Geist kam auf sie herab und verwandelte sie in Zeugen, Boten, Menschen, die überzeugt waren von der Botschaft der Liebe und Wahrheit ihres Herrn. Die Zeit war gekommen, um zur Umkehr zu rufen, die empfangene Gabe in die Praxis umzusetzen und sich in den Dienst der Brüder und Schwestern zu stellen.

Heute ist der Ruf zur Umkehr wichtiger denn je für alle, die Jesus Christus nachfolgen und Sinn im Leben finden wollen, indem sie denen dienen, die leiden, welchen Namen ihr Leid auch haben mag.

"Als sie das aber hörten, ging’s ihnen durchs Herz, und sie sprachen zu Petrus und den anderen Aposteln: Ihr Männer, liebe Brüder, was sollen wir tun?"
(Apostelgeschichte 37)

Viele warten auf die Gabe des Heiligen Geistes. Es gibt heute auf der Welt eine kleine Gruppe von Demütigen, die umkehren wollen, die um Vergebung bitten für in der Vergangenheit begangene Fehler, wie Angriffe auf Gottes Geschenk des Lebens durch die Herstellung von Massenvernichtungswaffen.

Hoffnung auf Umkehr können wir heute in den Schritten erkennen, die einige der „Großen“ dieser Welt unternommen haben, um frühere Exzesse von Überheblichkeit und Herrschaftsdrang wiedergutzumachen. Ja, alles ist möglich für den, der zu Christus umkehrt und in der Kraft des Geistes versucht, diejenigen von ihren Vorhaben abzubringen, die noch immer glauben, dass Frieden nur durch die Drohung mit Atomwaffen erreicht werden kann.

Mögen die Mutigen dieser Welt, die mit dem Abbau ihrer Atomwaffenarsenale begonnen haben, sich nun beherzt dafür einsetzen, dass mehr Mittel für das Wohlergehen jener Bevölkerungen zur Verfügung stehen, die Opfer solcher Zerstörung geworden sind, und dass mehr Mittel für jene Völker bereitgestellt werden, die unter den Qualen von Hunger und Kriegsgewalt leiden und denen danach verlangt, der Welt ihr Wissen mitzuteilen.

Wir möchten erklären: "Mit Gott ist alles möglich!"

Doch natürlich dürfen wir Christen und Christinnen, die wir auf den Namen Jesu Christi getauft worden sind, nicht allein Staatsmänner und -frauen oder andere öffentlichen Personen zur Umkehr aufrufen. Der Ruf zur Buße und Umkehr bleibt für einen jeden und eine jede von uns in jedem Land, jedem Alter und gleich welcher Herkunft aktuell: Buße für die Widersprüche zwischen dem, was wir predigen, und dem, was wir leben; Buße für unseren kleinmütigen Glauben, für die Kompromisse an den Geist der Welt, für unsere Neigung, gleichgültig zu sein, wenn es um Gerechtigkeit, Solidarität, aufrichtige Liebe und Achtung eines jeden Menschen geht. In solcher Bußfertigkeit müssen wir darauf warten, dass der Geist Gottes kommt und in uns und unseren Gemeinden wohnt. Nur dann können wir das Antlitz unseres auferstandenen Herrn, des Kyrios, wiederentdecken und mit ihm vereint werden, demütig und mit neuer Inbrunst betend: Komm, Heiliger Geist! Verwandle die Welt!

Möge der Heilige Geist, der zu Pfingsten herabkam, Sie mit Licht, Hoffnung und Freude erfüllen und Ihnen die Kraft geben, unseren Herrn zu preisen, indem Sie seiner Welt mit Liebe dienen. Wir wünschen Ihnen allen ein gesegnetes Pfingstfest.

Erzbischof Dr. Anastasios von Tirana und ganz Albanien, Autokephale Orthodoxe Kirche von Albanien

John Taroanui Doom, Evangelische Kirche von Maòhi (Französisch-Polynesien)

Pfarrer Dr. Simon Dossou, Protestantisch-Methodistische Kirche von Benin

Pfarrer Dr. Soritua Nababan, Protestantisch-Christliche Batak-Kirche (Indonesien)

Pfarrerin Dr. Ofelia Ortega, Presbyterianisch-Reformierte Kirche in Kuba

Patriarch Abune Paulos, Äthiopische Orthodoxe Kirche Tewahedo

Pfarrerin Dr. Bernice Powell Jackson, Vereinigte Kirche Christi (USA)

Dr. Mary Tanner, Kirche von England


Quelle: Pressemitteilung des Ökumenischen Rats der Kirchen, 20. Mai 2010
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