Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Er gibt uns den letzten Lebenshauch beim Sterben. Das ist das Perfekte.

Ein Konfirmand findet beeindruckende Worte des Bekennens

Im Konfirmandenunterricht fällt der 13-jährige Jan Stobbe durch seine geistreichen Antworten auf. Am Tag der Konfirmation trägt er sein eigenes Bekenntnis vor. Pfarrerin Inga Witthöft hat ihn dazu animiert.

Eine Gruppe von 27 Konfirmandinnen und Konfirmanden steht kurz vor ihrer Konfirmation im Mai 2010. In der evangelischen Kirchengemeinde Wermelskirchen ist die Konfirmation auch eine „Einsegnung“. Pfarrerin Inga Witthöft ist es gerade deshalb wichtig, dass die Konfirmation auch in ihrem eigenen Wortsinn verstanden wird: confirmare = bekennen.

Darum legt sie im gesamten eineinhalbjährigen Unterricht einen Akzent darauf, dass die Jugendlichen für den Glauben eigene Worte finden, und, wo immer es geht, selbständig Bekenntnissätze formulieren, also Stellung beziehen. Im gesamten Unterrichtskonzept entwickelt sich das im Gespräch – und wenn es gelingt, sind das „Sternstunden“, wie sie sagt.

Einer, der das gut kann, ist Jan Stobbe. Er ist 13 Jahre alt. Von Anfang an fällt er dadurch auf, dass er in wohl fast jeder Unterrichtseinheit geistreiche Antworten gibt, pfiffige Fragen stellt oder eben – fast nebenbei - eigene kleine Bekenntnissätze formuliert. Eine seiner Gaben liegt darin, durch Worte Gefühle wachzurufen und Bilder entstehen zu lassen.

Darum hat ihn die Pfarrerin gebeten, für den Konfirmationsgottesdienst ein Glaubensbekenntnis zu formulieren, also nun, am Ende des Unterrichts, den Akt des Bekennens im „Großformat“ nachzubuchstabieren und dies stellvertretend für andere zu tun. Dass das, besonders in der heutigen Zeit und auch besonders in diesem Alter, Mut braucht, zum Glauben zu stehen und diesen öffentlich zu bekennen, weiß sie: "Jan hat diesen Mut".

Beim Formulieren des Bekenntnisses hat sie nicht geholfen, versichert Inga Witthöft. Einzig Satzanfänge wie: „Ich glaube an Gott, weil…“, „ich glaube, dass Jesus…“, „das wichtigste an Jesus ist für mich…“ und „ohne Glauben an Gott…“ dienen als Steigbügel und zur Gliederung.

Natürlich ist Jan aufgeregt, als er sein Glaubensbekenntnis am Tag der Konfirmation vorträgt. Wer wäre das nicht, wenn gut 600 Menschen zuhören?! Anmerken tut man ihm das aber nicht.

Sein Lieblingssatz ist übrigens der: „Er gibt uns den letzten Lebenshauch beim Sterben. Das ist das Perfekte“. Wir können von Jan lernen, den Tod aus unserem Leben nicht auszublenden, sondern ihm erwachsen zu begegnen und gleichzeitig kindlich zu vertrauen.

Jan Stobbe bekennt:

Ich glaube an Gott, weil er mir Stärke und Hoffnung gibt.
Wenn es dunkel wird, habe ich Hoffnung, die er mir zugeschrieben hat.
Er macht mich stark, weil er es mir zugeschrieben hat.

Ich glaube, dass Jesus denen, die Hilfe brauchen und auch nötig haben, die auch gibt.
Wenn wir dunkel sehen, geht in unserem Inneren ein helles Licht auf.
Das wichtigste an Jesus ist für mich, dass er mir Stärke und Helligkeit schenkt.
Bei Trauer ist er das Lachen. Bei Wut wirkt er sanft.
Er gibt uns den letzten Lebenshauch beim Sterben. Das ist das Perfekte.

Ohne Glauben an Gott wäre die Welt nicht diese Welt.
Wer gäbe Hoffnung?
Wer hätte je einen Glauben?
Was würde die Dunkelheit umstellen?
Es gäbe keinen Raum und Zeit.
Es gäbe keine Welt.


Inga Witthöft / Georg Rieger
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