Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Die Taufe – ein Geschenk, das ausgepackt werden will

Westfälische Landessynode tagt vom 15. bis 19. November in Bethel

von rechts: Dr. Martin Luther, Alfred Buß und Albert Henz. Foto: EKvW

BIELEFELD/WESTFALEN Ein urchristliches Thema: Die Taufe wird Schwerpunkt der Westfälischen Landessynode, die vom 15. bis 19. November in Bielefeld zusammenkommt. Damit bereitet sich die Evangelische Kirche von Westfalen (EKvW) auf das Jahr der Taufe vor. 2011 soll die Taufe unter dem Motto „Gottesgeschenk“ besonders im Mittelpunkt stehen.

„Das Gottesgeschenk will ausgepackt werden“, erklärte Präses Alfred Buß am Freitag (5.11.) vor Journalisten: „Wir wollen dabei helfen.“ Das Jahr der Taufe, so der leitende Theologe der EKvW, biete Möglichkeiten, sich auf vielfältige Weise damit zu beschäftigen: im Alltag der Menschen, in Kindergarten und Schule, individuell und in Familien. Motiv ist dabei ein Geschenkpäckchen mit roter Schleife, das auf den Materialien zum Jahr der Taufe erscheint.

Kinder alleinerziehende Eltern werden weniger getauft – das soll sich ändern

Die Taufe hat einen hohen Stellenwert. Die meisten evangelischen Eltern wollen ihre Kinder taufen lassen. Seit fast 50 Jahren bleibt der Anteil der evangelisch Getauften an der Gesamtzahl der Geburten etwa gleich.

Allerdings: Kinder alleinerziehender Mütter werden deutlich weniger getauft. Offenbar sei mit der Taufe bis heute das Ideal einer „vollständigen“ und „intakten“ Familie verbunden, beobachtet Präses Buß: „Alleinerziehende, so ist zu befürchten, haben eine gewisse Scheu vor der öffentlichen Taufe.“ Auch die Kosten für eine Tauffeier spielten hier eine Rolle. Damit will er sich nicht abfinden: „Schließlich hängt das Gottesgeschenk nicht von irgendwelchen Voraussetzungen ab.“

Das Jahr der Taufe soll hier einen starken Akzent setzen. Zentrale Tauffeste, von Kirchenkreisen oder Gemeinden organisiert, sind eine gute Möglichkeit, solche Hürden zu überwinden. Sie sollen 2011 verstärkt in ganz Westfalen stattfinden. Dabei kann man auf Erfahrungen aus dem Kirchenkreis Arnsberg und auch aus dem lippischen Lemgo zurückgreifen, wo im vergangenen Sommer bereits solche Tauffeste gefeiert wurden.

Ein verändertes Familienbild

Ein weiteres Thema, das damit zusammenhängt: Familie und Familienpolitik. Präses Buß beschrieb das veränderte Familienbild so: „Familie ist da, wo Menschen dauerhaft und generationenübergreifend persönlich füreinander einstehen und Verantwortung übernehmen.“ Die Synode wird sich damit beschäftigen, was das für Politik und Kirche bedeutet, besonders im Blick auf den demografischen Wandel.

Gerechtigkeit hat viele Dimensionen

Albert Henz, Theologischer Vizepräsident und Dezernent für gesellschaftliche Verantwortung, nannte unter dem Leitmotiv „Gerechtigkeit“ weitere Beispiele für Themen dieser Synodaltagung: „Wenn wir Kinder in die Kirche hineintaufen, kann es uns nicht kalt lassen, in welche Welt sie hineinwachsen.“ Das betrifft die Hartz IV-Regelsätze ebenso wie das nordrhein-westfälische Kinderbildungsgesetz (KiBiZ). Es betrifft aber auch minderjährige Flüchtlinge ohne Eltern. Allein nach Dortmund kamen im vergangenen Jahr über 420 solcher Kinder und Jugendlichen. Sie werden nach Ausländerrecht behandelt, was der UN-Kinderrechtskonvention widerspricht.

Deutliche Kritik übte Henz an der Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke. Dadurch werde weder die Energieversorgung sicherer noch der Klimaschutz verbessert. Die Bundesregierung beuge sich den Interessen der vier großen Energiekonzerne. Kernkraft sei eine Technologie, die durch menschliches Versagen und Missbrauch zu unüberschaubaren und irreparablen Folgeschäden führen könne, sagte der Vizepräsident und fügte hinzu: „Der atomare Müll, von dem niemand weiß, wo er auf Dauer bleiben soll, ist eine entsetzliche Hypothek auf die Zukunft unserer Kinder.“

Gast: Ministerpräsidentin Kraft

Am 19. November wird Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft vor der Westfälischen Landessynode sprechen.

Haushalt: Vorsichtige Finanzplanung hat sich bewährt

Die Synode ist das höchste Leitungsgremium der 2,5 Millionen Mitglieder zählenden westfälischen Landeskirche. Sie beschließt auch den Haushaltsplan für das kommende Jahr. Für 2010 hat sich die vorsichtige Planung bewährt, wie der Juristische Vizepräsident Klaus Winterhoff erläuterte: Zwar sind die Kirchensteuereinnahmen im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen, doch nicht so stark wie befürchtet. Damit könnten die Haushalte 2010, die von 403 Millionen Euro Kirchensteuern ausgingen, planmäßig abgeschlossen werden. Für 2011 sieht die Planung ebenfalls 403 Millionen vor.

Die 16. Westfälische Landessynode

Die Landessynode, in der die 532 Gemeinden vertreten sind, ist das höchste leitende und gesetzgebende Gremium der Evangelischen Kirche von Westfalen. Unter Leitung des Präses kommen die 213 Mitglieder des „Kirchenparlaments“ einmal jährlich zusammen. 164 Synodale einschließlich Kirchenleitung sind gewählt, 21 berufen oder entsandt. Von den 185 stimmberechtigten Synodalen sind 78 Theologen und 107 Nichttheologen. Hinzu kommen 27 beratende Abgeordnete. Die Synode tagt öffentlich im Assapheum, v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel.

Fotos von der Pressekonferenz zur Ankündigung der Synode

Zur Synodenseite


Pressemeldung der EKvW, 5. November 2010
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