Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

''Gott setzt alle Hebel in Bewegung''

Kongress zum Jahr der Taufe mit Teilnehmern aus ganz Deutschland

Im Taufgeschehen kommt auch die bedrohliche, dunkle Seite des Lebens zur Sprache, sagt Dr. Regina Sommer. Foto: EKvW

SCHWERTE/WESTFALEN - Gerade am Lebensanfang ist das Lebensende besonders gegenwärtig: Dass diese Erfahrung für viele Eltern bei der Taufe ihres Kindes eine große Rolle spielt, hat die Theologin Dr. Regina Sommer (Kassel) am Samstag (19.3.) bei einem Taufkongress der Evangelischen Kirche von Westfalen hervorgehoben.

Die Taufe erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit bei evangelischen Eltern. Nach Einschätzung von Regina Sommer liegt das daran, „dass im Taufgeschehen auch die bedrohliche, dunkle Seite des Lebens zur Sprache kommt. Die Eltern wünschen sich die Taufe, weil in ihr die Spannung von Leben und Tod, Schuld und Vergebung, die sie in ihren Alltagsbezügen erleben, symbolisiert und thematisiert wird.“

Der westfälische Präses Alfred Buß erklärte: „Wenn wir Kinder taufen, müssen wir den Eltern helfen, damit sie den Glauben vermitteln können.“ Deshalb nannte er als ein wichtiges Ziel des Jahrs der Taufe, die Taufverantwortung zu fördern: „Die Taufe ist ein Anfang. Ein Anfang mit weitreichenden Folgen. Wer getauft ist, soll in die Gemeinde hineinwachsen, von ihr angenommen werden, sie mitgestalten. Gemeinden haben eine Taufverantwortung. Diese Verantwortung wollen wir stärken“, so der leitende Theologe der Evangelischen Kirche von Westfalen.

Besonders im Blick seien Alleinerziehende und ihre Kinder, so Buß. Alleinerziehende evangelische Mütter ließen ihre Kinder deutlich seltener taufen als der Durchschnitt aller evangelischen Eltern. Offenbar sei mit der Taufe bis heute das Ideal einer „vollständigen“ und „intakten“ Familie verbunden - Alleinerziehende hätten offenbar eine gewisse Scheu vor der öffentlichen Taufe. Buß: „An diesen Hindernissen darf eine Taufe nicht scheitern - schließlich hängt das Gottesgeschenk davon nicht ab.“

Professor Dr. Hans-Martin Lübking, der den Kongress als Leiter des Pädagogischen Instituts der EKvW leitete, zog eine positive Bilanz. Die theologische und lebenspraktische Bedeutung der Taufe sei von vielen Seiten reflektiert worden. Lübking: „Die Taufe ist ein Sakrament - das heißt: Gott setzt alle Hebel in Bewegung und meint dich persönlich. Und das hält fürs ganze Leben.“

Dr. Michael Kappes, Ökumenefachmann des Bistums Münster, äußerte den Wunsch und die Hoffnung nach stärkerer evangelisch-katholischer Zusammenarbeit: „Nur gemeinsam können wir zukünftig unseren Glauben bekennen.“ Gerade in Zeiten knapper werdender Mittel gelte: „Vertrauensvolle Ökumene heißt Entlastung durch Kooperation.“

Der baptistische Theologe Professor Erich Geldbach hob hervor, wieviel die Konfessionen voneinander lernen können. Den Landeskirchen schrieb er ins Stammbuch, wie wichtig die Unterstützung und Begleitung der Eltern und Paten nach der Taufe sei. Die Mitglieder der baptistischen Freikirche werden nicht als kleine Kinder getauft, sondern meist als junge Erwachsene, weil eine bewusste Glaubensentscheidung als Voraussetzung gilt.

Video: 3 Fragen an Dr. Regina Sommer


Quelle: EKvW, Pressemitteilungen vom 21. März 2011
  • Twitter
  • Facebook
  • Google Bookmarks
Theologie, Material für Gottesdienst, Kinderkirche, Gemeindetage

 

Nach oben    E-Mail