Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Reformationstag der EKD in Eisenach

Martin-Luther-Medaille an Harald Bretschneider und Eröffnung des Themenjahres „Reformation und Musik“ mit Schneider und Neumann

Das Wort sie sollen lassen stahn – Luthers Ankunft auf der Wartburg, abgebildet auf Notgeld von 1921, Wikipedia.

EKD. Zwei feierliche Akte prägten den Reformationstag der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Eisenach (Thüringen): Am Mittag wurde in der Georgenkirche die Martin-Luther-Medaille an den Theologen und bekannten Akteur der friedlichen Revolution in der DDR, Harald Bretschneider, verliehen. Die Verleihung vollzog der Vorsitzende des Rates der EKD, Präses Nikolaus Schneider, die Laudatio hielt der Bundesminister der Verteidigung, Thomas de Maiziére. Am Nachmittag eröffneten der Ratsvorsitzende und der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Staatsminister Bernd Neumann, gemeinsam das Themenjahr „Reformation und Musik“.

In seiner Würdigung Bretschneiders erinnerte Schneider an die Verdienste des damaligen Jugendpfarrers in den Jahren vor der friedlichen Revolution: „Heute wissen wir, dass die kirchliche Friedensbewegung in der DDR die Wende im Herbst 1989 wesentlich vorbereitet hat. Die Aufnäher mit dem Zitat aus Micha 4 ,Schwerter zu Pflugscharen‘ waren 1989 aus der Öffentlichkeit der DDR verdrängt worden. Doch der Geist dieser Friedensvision war weiter lebendig; es scheint, er hat im Herbst 1989 seine Wirkung erst voll entfaltet. Während die Staatsmacht sich den Demonstranten hoch bewaffnet entgegenstellte, riefen diese mit Kerzen in den Händen: ,Keine Gewalt‘“, so der Ratsvorsitzende. Auch dank der von Bretschneider inspirierten Bewegung sei die Revolution von 1989 eine „friedliche Revolution“ geworden. Bretschneider, seine Familie und die vielen damals überwiegend jungen Menschen in den Kirchen der DDR, die zuweilen hartnäckig und auch gegen „Widerstände innerhalb der Kirchen“ gehandelt haben, hätten gezeigt, „dass und wie“ die Seligpreisung Jesu konkret gelebt werden könne: „Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen“, so Schneider weiter. Der Verleihung der Martin Luther-Medaille, die nach 2008 zum vierten Mal verliehen wurde, war ein Festgottesdienst (Predigt: Landesbischöfin Ilse Junkermann) vorausgegangen.

Am Nachmittag erfolgte nach einem Konzert, in dem der Dresdner Kammerchor, der Thüringische Akademische Singkreis, der Rundfunkchor Wernigerode und das Uwe-Steinmetz-Quartett mitwirkten, die feierliche Eröffnung des Themenjahres „Reformation und Musik“. Schneider erinnerte daran, dass die Musik für Martin Luther sehr wichtig gewesen sei. Luthers Verhältnis zur Musik sei keinesfalls eine „private Liebelei“ gewesen, sondern  „ohne sein inniges Verhältnis und seine Leidenschaft für die Musik und für eine klingende Wort-Ton-Beziehung sei Martin Luther nicht zu verstehen, so der Ratsvorsitzende in seiner Ansprache. Der Reformator habe den Menschen nicht nur Ohren und Herzen, sondern auch den Mund geöffnet. Schneider: „Luther hat uns das gemeinsame Singen gebracht. Er hat aus einer hörenden Gemeinde eine singende gemacht. Eine gemeinsam singende. Die Reformation, so Schneider weiter, sei die „erste Singebewegung“ überhaupt gewesen.

Ausdrücklich dankte der Ratsvorsitzende Kulturstaatsminister Bernd Neumann dafür, dass dessen Ministerium das EKD-Musikprojekt „366+1, Kirche klingt 2012“ so großzügig unterstütze. Dieses vom Kulturbüro der EKD zusammen mit den Landeskirchen initiierte Projekt bringe Musikerinnen und Musiker an jedem der 366 Tage des Schaltjahres 2012 zu einem Konzert zusammen, sodass sich ein Konzertband vom 1. Januar bis zum 31.12. 2012 durch ganz Deutschland ziehe. In diesem Projekt, so Schneider abschließend, bringen „Kirche und Gesellschaft miteinander das kulturhistorische Gut der Reformation, ihre einzigartige Lied- und Motettensammlung zum Klingen.“
 
Hannover, 31. Oktober 2011
Pressestelle der EKD
Reinhard Mawick

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Der "Erfinder" des Aufnähers "Schwerter zu Pflugscharen" erhält die Martin-Luther-Medaille 2011, der amtierende Bundesverteidigungsminister hält die Laudatio und in der EKD findet das offenbar niemand unpassend -ebenso wenig wie einen Ratsvorsitzenden der im Luftwaffenhangar einen Aussendungsgottesdienst für Soldaten im Kriegseinsatz hält. - Kirche, wie weit bist du gekommen!
 

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