Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Emder Neues Testament von 1556 im Internet zugänglich

39 Ehrenamtliche transkribierten eineinhalb Jahre

Titelseite des Neuen Testaments von Jan Utenhove (Emden 1556)

Oldenburg. Die Transkription des Neuen Testaments des Jan Utenhove, erschienen 1556 in Emden, ist seit dem 3. September 2012 auf der Website der Digitale Bibliotheek voor de Nederlandse Letteren (www.dbnl.nl) einzusehen. Unter der Leitung von Drs. Hans Beelen, Niederlandist an der Universität Oldenburg, haben 39 Ehrenamtliche über eineinhalb Jahre an der Transkription gearbeitet. Es ist die neunte historische Bibelübersetzung, die im Rahmen des Bibeldigitalisierungsprojekts im Internet editiert wurde.

Um 1540 nahm die Verfolgung der Reformierten in den Niederlanden dramatisch zu. Deshalb flüchteten viele Gläubige ins benachbarte Ausland. In London gab es eine niederländische Exilgemeinde, die im Jahre 1553/1554 nach Emden umsiedelte. Unter den Flüchtlingen waren zahlreiche Drucker und Verleger. Sie ermöglichten Emdens Aufstieg zum Zentrum der niederländisch-protestantischen Druckkultur im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert.
Die niederländischen Exilgemeinden strebten nach eigenen zuverlässigen Übersetzungen der christlichen Basistexte. So gab Jan Utenhove in Emden die Psalmen, den Katechismus, das Glaubensbekenntnis und das Neue Testament auf Niederländisch heraus. Utenhoves übersetzte das Neue Testament direkt aus dem Griechischen. Er war überzeugt, dass der griechische Grundtext direkt vom Heiligen Geist stamme. So legte er großen Wert auf eine philologisch möglichst getreue Übersetzung. Zugleich verfolgte er das Ziel, eine überregional verständliche Sprache zu kreieren, die für Gläubige im gesamten niederländischen Sprachraum verständlich war. Utenhoven benutzte eine eigene Rechtschreibung. Seine Wortwahl und Grammatik war von niederdeutschen und hochdeutschen Bibelübersetzungen inspiriert. Das Ergebnis war, so Beelen, eine kuriose Kunstsprache, die bei den Gemeindemitgliedern wenig Akzeptanz fand. Aus diesem Grund wurde Utenhoves Sprache in späteren Bibelausgaben überarbeitet. Trotzdem sei sein Bestreben, den Grundtext wortwörtlich wiederzugeben, in den Augen der späteren Übersetzer der Statenvertaling (1637) wegweisend. Einige von Utenhovens Übersetzungslösungen finden sich in der Statenvertaling – die erste komplette niederländische Bibelübersetzung direkt aus dem Hebräischen und Griechischen – wieder.
„Utenhovens Neues Testament war die erste niederländische Bibelübersetzung, in der der Text in nummerierte Versen eingeteilt war“, erklärt Beelen. Ohne die philologische Präzisionsarbeit der 39 Freiwilligen sei die Transkription der Schrift nicht möglich gewesen, da die alte Druckschrift des einzig erhaltenen Exemplars für Textscannprogramme schlichtweg unlesbar ist.

zum Text

weitere Informationen:

www.dbnl.nl


Quelle: Pressemeldung der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, 3. September 2012
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