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Evangelische Kirchen in NRW lehnen Ausweitung der Ladenöffnungszeiten ab

Sachverständigen-Anhörung zum Entfesselungspaket I

Annette Kurschus, Präses der westfälischen Kirche: "Geschenkte Zeit, die nicht unter dem Druck des Ökonomischen steht." © Evangelische Kirche von Westfalen

Präses Annette Kurschus verteidigt den Sonntag als 'geschenkte Zeit, die nicht unter dem Druck des Ökonomischen steht'. Rheinischer Präses Rekowski befürchtet im Fall einer Erweiterung der Ladenöffnungszeiten Raubbau an gemeinsamer Zeit

„Wir lehnen die Ausweitung der Ladenöffnungszeiten an Sonnabenden und Sonntagen ab“, sagt Kirchenrat Dr. Thomas Weckelmann, Beauftragter der evangelischen Kirchen bei Landtag und Landesregierung in Nordrhein-Westfalen. Im Rahmen einer Sachverständigen-Anhörung zum sogenannten Entfesselungspaket I, dem „Gesetz zum Abbau unnötiger und belastender Vorschriften im Land Nordrhein-Westfalen“, hatten am Montag, 18. Dezember 2017, die Kirchen das Wort. Die gemeinsame Gestaltung der Sonn- und Feiertage im Kreis der Familie, mit Freunden, Bekannten und in den Vereinen sei nur möglich, wenn ein zeitlicher Gleichklang gewährleistet ist, heißt es in der Stellungnahme, mit der evangelische und katholische Kirche in NRW bei der Anhörung Position beziehen.

Die Sonntagsheiligung ist ein grundlegendes Anliegen der Kirchen. Die Landesregierung und die sie tragenden Koalitionsfraktionen von CDU und FDP hingegen planen, die Zahl der verkaufsoffenen Sonn- bzw. Feiertage von bisher vier auf künftig acht zu verdoppeln. Außerdem sollen Geschäfte an Samstagen unbegrenzt bis 24 Uhr öffnen dürfen.

Mit einer erneuten Aufweichung des Sonntagsschutzes vollziehe sich eine weitere Ökonomisierung aller Lebensbereiche, betonte jüngst die Synode der Evangelischen Kirche von Westfalen. Gerade der Sonntag erinnere daran, dass Menschen nicht nur zur Arbeit geschaffen sind und ihre Würde nicht an ihrer Leistung hängt. „Der Sonntag trägt dazu bei, dass Menschen Zeit für Gott, für sich selbst und für andere haben – geschenkte Zeit, die nicht unter dem Druck des Ökonomischen steht“, sagt Annette Kurschus, Präses der westfälischen Kirche.

Der Gedanke eines heilsamen Rhythmus‘ von Arbeit und Ruhe sei eine große Errungenschaft in der jüdisch-christlichen Tradition, betont Dietmar Arends, Landessuperintendent der Lippischen Landeskirche. „Einen gemeinsamen Tag, an dem in der Gesellschaft Zeit ist für anderes, für das Miteinander der Menschen, und auch Zeit, in gutem Sinn zur Besinnung zu kommen, einen solchen Tag sollten wir nicht leichtfertig aufs Spiel setzen, indem wir die gesetzlichen Bestimmungen immer weiter aufweichen.“

Auch der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, zieht eine rote Linie: „Mir ist der Preis, den viele Beschäftigte im Einzelhandel und am Ende wir als Gesellschaft insgesamt für diese Politik zahlen, zu hoch. Für mich bedeutet diese Entfesselung Raubbau an dem, was menschenfreundlich ist, an dem, was zu unserer Kultur gehört, und an dem, was unsagbar wertvoll für das Miteinander ist: gemeinsame Zeit.“ Und gottvergessen sei dieses Vorhaben überdies, „denn nach der biblischen Überlieferung verdanken wir Gott dem Schöpfer den Ruhetag – seinen Ruhetag für ihn, für uns, fürs Wir.“ Die rheinische Kirche wird sich auf ihrer Synode Anfang Januar mit dem Schutz des Sonntags befassen. 

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