Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Verschiedene Formen des Bundesgedankens

Von theologischer Rede bis in die Politik

Bundesvertrag der Schweizerischen Eidgenossenschaft 1815

Reformierte Tradition legte die biblische Rede vom Bund und den Bundesschl├╝ssen sehr unterschiedlich aus. Der Bundesgedanke fand sogar Eingang in staatliche Verfassungen.

Die Föderaltheologie

Anknüpfend an die biblischen Rede vom Bund (lateinisch foedus) zwischen Gott und Mensch wurde im 16./17. Jahrhundert eine typisch reformierte Föderaltheologie entwickelt. Ihr bedeutendster Vertreter war Johannes Coccejus in den Niederlanden. Coccejus deutet die Beziehung zwischen Gott und Mensch als Heilsgeschichte in fünf Etappen von der Schöpfung bis zum von Jesus Christus verkündigten Reich Gottes.

"Bund der Werke" und "Bund der Gnade"

Im angelsächsischen Sprachraum wurde die Bundestheologie der Westminster Confession (1647) bedeutend. In Artikel 7 entwirft dieses Bekenntnis eine Theologie, die zwischen einem "Bund der Werke" und einem "Bund der Gnade" unterscheidet. Der "Bund der Werke" war Adam und seiner Nachkommenschaft verheißen, den "Bund der Gnade" richtetet Gott durch Jesus Christus auf. Dieser Bund wurde jedoch auch schon zur Zeit des Alten Testaments, "in der Zeit des Gesetzes", gehandhabt. Er wurde "durch Verheißungen, Prophezeiungen, Opfer und Beschneidung vollzogen, durch das Passahlamm und andere Vorbilder und Anordnungen, die dem Volk der Juden aufgetragen waren und alle das Kommen Christi im voraus andeuteten". Mit Christus erschien "das eigentliche Wesen des Bundes". Unter dem Evangelium "wird dieser Bund durch die Anordnung, das Wort zu predigen und die Sakramente von Taufe und Abendmahl zu verwalten, vollzogen". Trotz dieser Unterscheidung in der Handhabung des Gnadenbundes wird festgehalten: Es gibt "nicht zwei Gnadenbünde, die ihrem Wesen nach zu unterscheiden wären, sondern ein und denselben in verschiedenen Ausführungen".

Der Bund in der Politik

Der Bundesgedanke hatte auch Auswirkungen auf die politischen Entwicklungen im 17. Jahrhundert. Der Bund als "Vertrag" mit gegenseitigen Rechten und Pflichten fand Eingang in die Wurzeln der staatlichen Verfassung der Schweiz (Confoederatio), Schottlands (The Covenant) und der USA (Mayflower Compact).

 


Barbara Schenck
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