Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Das Alte Testament als Wahrheitsraum des Neuen

Das Verhältnis der ‚Testamente’ nach dem Grundsatz „Allein die Schrift (sola scriptura)“

Der zwölfjährige Jesus im Tempel - von Albrecht Dürer um 1494–1497

von Prof Dr. Frank Crüsemann, Bielefeld

Frank Crüsemann_Das Alte Testamemt als Wahrheitsraum des Neuen.pdf

In der aktuellen Debatte um die angemessene Stellung des Alten Testaments in christlicher Theologie und christlichem Glauben hat der Reformierte Bund Ende April gefordert, das Alte Testament im Angesicht Israels „noch umfassender als bisher“ in Lehre und Predigt einzubeziehen.
Die
Beschlussvorlage auf der Hauptversammlung in Villigst zitiert dabei die Wortwahl von Frank Crüsemann, Professor für Altes Testament: Das Alte Testament sei Wahrheitsraum des Neuen.

In einem Beitrag für reformiert-info entfaltet Frank Crüsemann als christlicher Alttestamentler seine These zum Verhältnis von Altem und Neuem Testament. In einem angemessenen „Modell“ für diese Verhältnisbestimmung sollte das Alte Testament „für christlichen Glauben und Theologie (wieder) die Rolle haben, die es im Neuen Testament hat“, so Crüsemann.
Die „Rolle“ des Alten Testaments für Jesus und die ersten ChristInnen beschreibt Crüsemann kurz ud bündig als „Wahrheitsraum“ des Neuen Testaments. Das Neue Testament verweise an für den Glauben an Jesus Christus grundlegenden Stellen, etwa bei Aussagen zur Auferstehung von den Toten, auf die Schrift bzw. die Schriften, sprich auf das Gesetz / die Tora und die Propheten - also das Alte Testament - als verbindliche Tradition und „theo-logische Grundlage“.
Was das Christliche sei, werde nicht allein durch das Neue Testament bestimmt, weil dieses nicht ohne das Alte Testament aus sich heraus allein verständlich sei. Crüsemann: Das Neue Testament ist wie der christliche Glaube „auf die vorgängige Wahrheit Israels und ihre belibende Geltung angewiesen“.

Prof. Dr. Frank Crüsemann (Jg. 1938);
Promotion 1968 in Mainz, Habilitation 1975 in Heidelberg.
Seit 1980 Prof. für Altes Testament an der Kirchlichen Hochschule Bethel, Bielefeld, 2004 em.
Zahlreiche Veröffentlichungen mit den Schwerpunkten: Sozial- und Rechtsgeschichte, kanonische Exegese, Hermeneutik des AT, christlich-jüdischer Dialog; Mitherausgeber der Zeitschrift: »Evangelische Theologie«, des Sozialgeschichtlichen Wörterbuchs zur Bibel.
Foto: LL

Frank Crüsemann

Das Alte Testament als Wahrheitsraum des Neuen

Die neue Sicht der christlichen Bibel

Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 384 Seiten
ISBN: 978-3-579-08122-9
€ 34,99
Gütersloher Verlagshau, März 2011

 

Mai 2015

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