Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Du stellst meine Füße auf weiten Raum - Psalm 31

Predigthilfe zum 27. Januar

Zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus stellt die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) eine Predigthilfe zu Psalm 31 sowie den Perikopentexten für den 27. Januar, Apostelgeschichte 16,9-15 und Hebräer 3,15, zum Download bereit.

Im Vorwort schreibt Christian Staffa, Geschäftsführer bei ASF:

Liebe Leserinnen und Leser,

das Jahr 2008 ist ein ganz besonderes Jahr für uns. Denn Aktion Sühnezeichen Friedensdienste wird 50! Am 30. April 1958 rief Lothar Kreyssig dazu auf, »der Selbstrechtfertigung, der Bitterkeit und dem Hass eine Kraft« entgegenzusetzen und bat die ehemals verfolgten Länder und Menschen »uns zu erlauben, etwas Gutes zu tun«. Dass diese Initiative heute noch lebendig ist und sich bei jungen, aber auch älteren Menschen steigender Nachfrage erfreut, hat Kreyssig vielleicht nicht vorausgesehen. Sicherlich hat er aber gehofft, dass die Arbeit von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) weniger nötig wäre, Reflexionen und Aktivitäten in Kirche und Gesellschaft in Deutschland und Europa auf einem anderen, entwickelteren Stand wären. Wir sehen heute, dass die Arbeit so nötig und wichtig ist wie ehedem, dass es aber auch viele Menschen gibt, die ASF unterstützen und viele, die sich vor dem Hintergrund der Geschichte der Gewalterfahrung, von Täterschaft und Mitläufertum und – nicht zu vergessen – Widerstand aktiv auf Begegnungen, Engagement und Lernen einlassen.

Auch besonders ist an diesem Jahr, dass der 27. Januar auf einen Sonntag fällt. Damit sind wir herausgefordert, das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in einen »normalen« Gottesdienst zu integrieren. Helmut Ruppel beschreibt sein und unser Erstaunen darüber, dass in einschlägigen Predigtmeditationen und -hilfen von diesem Gedenktag nicht die Rede ist. So gerät der Einstieg dieser Predigthilfe auch zornig, nachdem Ingo Baldermann – bei dem ich mich nochmals sehr entschuldige für die Verfälschung seines Vornamens im Vorwort der Predigthilfe zur Ökumenischen Friedensdekade 2007 – am Psalm 31 die unglaubliche Spannung zwischen den auf weiten Raum gestellten Füßen, der Befreiung, der Eröffnung von neuen Möglichkeiten und der Befreiung von Auschwitz deutlich gemacht hat, die eben auch immer keine war. Helmut Ruppel und Manfred Karnetzki entfalten dann weitere Texte, die für diesen Sonntag vorgesehen sind, Apg 16, 9-15 und den Wochenspruch Hebr. 3,15. Damit bieten sich verschiedene Akzente für die inhaltliche Gestaltung des Gottesdienstes an. Vom Psalm 31 her die fast unerträgliche, oben beschriebene Spannung, von Lydias Geschichte her die europäische Dimension von Erinnerung und was dieses Europa zusammenfügen könnte, wenn nicht das offene Bearbeiten von gefährlichen Erinnerungen und vom Hebräerbrief her das Gespräch der Generationen gegen Gleichgültigkeit und für Menschenrechtsorientierung. Im Kontext des Jubiläumsjahres von ASF ließe sich dann auch auf die Wolke der Zeugen verweisen, die versucht haben und versuchen, diesen Spannungen im Tun zu begegnen. Die Freiwilligenberichte in diesem Heft sind dafür sicherlich eine inspirierende Quelle für jedem und jeder zugänglicher Zeugenschaft. Ingrid Schmidt hat die Predigthilfe mit Darstellungen und Texten von Ernst Barlach, sowie eigenen Texten zu dieser Ästhetik des Widerstands bereichert und Material für eine visuelle Dimension eines Gottesdienstes bereitgestellt. Der 27. Januar ist der Gedenktag für alle Opfer des Nationalsozialismus. Deshalb haben wir in diese Predigthilfe einen Beitrag von Wolfgang Wippermann zu den von Kirche selten wahrgenommenen Roma und Sinti aufgenommen. Auch der liturgische Entwurf von Helmut Ruppel enthält einen Vorschlag für ein Gedenken an mehrere Opfergruppen. Wie in den letzten Heften eingeübt, bieten wir auch diesmal über den konkreten Gottesdienst hinaus Materialien und Gedanken an, denn wir erhoffen uns, dass die Auseinandersetzung der Gemeinden mit der Gegenwart der Geschichte über den 27. Januar hinaus geht und ein Teil des den Gott Israels und Vater Jesu Christi bezeugenden Lernprozesses der Gemeinden wird.

Wir hoffen, dass wir Ihnen und euch damit hilfreich sein können, das Datum gegen das Fatum, Sensibilität gegen Verblüffungsfestigkeit und Realitätsflucht zu stellen und zu erfahren.

Wir hoffen damit auch auf eine weitere Unterstützung durch Sie und euch, die gerade im ASF-Jubiläumsjahr ein Zeichen der Ermutigung für uns und unsere Freiwilligen wie auch für unsere Partner im Ausland sind. Sie setzt ein Zeichen im kirchlichen und gesellschaftlichen Raum, dass Gemeinden und Kirchen sich diesen schmerzvollen Erfahrungen, die mit dem Gedenktag verbunden sind, öffnen und daraus das Tun lernen und weitertreiben wollen. In diesem Sinne grüße ich Sie und euch mit den besten Wünschen für den Gottesdienst und das Neue Jahr, danke den AutorInnen für die inspirierenden und umfassenden Beiträge und hoffe darauf, dass wir gemeinsam die nächsten 50 Jahre unseren Beitrag zur Reparatur der Welt (Tikkun Olam) leisten dürfen.

Ihr und euer
Dr. Christian Staffa

Die Predigthilfe als PDF

Inhalt

Vorwort
Christian Staffa

I. Predigthilfe – Gottesdienstliches Gedenken
»Du stellst meine Füße auf weiten Raum.«
Ingo Baldermann

Der 27. Januar – Fatum oder Datum
Helmut Ruppel

Liturgie im Gottesdienst

Sexagesimae zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus
Helmut Ruppel

»Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstocket eure Herzen nicht!«
Manfred Karnetzki

»Geringste meiner Brüder«
Sinti und Roma sind immer noch »Zigeuner«
Wolfgang Wippermann

Zum 70. Todestag von Ernst Barlach (1938/2008)
Gedenkblatt für Ernst Barlach
Ingrid Schmidt

II. Materialien für die Gemeinde
FILME ZU DEN THEMEN »NATIONALSOZIALISMUS« / »HOLOCAUST«
»Sehen. Deuten. Handeln«
»Hella Hirsch und ihre Freunde«
»Am Ende kommen Touristen« – Auschwitz filmen
»Ein Kleid aus Warschau« – Befreiung – und dann?

BÜCHER ZU DEN THEMEN »NATIONALSOZIALISMUS« / »HOLOCAUST«
Jürgen Wehrmann: Seht – der Mensch. Predigten in Jerusalem und Berlin
Anning Lehmensiek: »Ich war und bin eine stolze Jüdin.« Eva Lux Braun – eine
Begegnung
Eva Erben: »Mich hat man vergessen.« Erinnerungen eines jüdischen Mädchens
Ruth Weiss: Meine Schwester Sara

III. ASF-Freiwillige berichten aus ihrer Arbeit
Das Engagement einer Überlebende motiviert mich weiter politisch aktiv zu sein
Maria Pühringer

Mit der Anne-Frank-Ausstellung im Gefängnis
Marie-Paloma Krauss

Hilfe für ehemalige ZwangsarbeiterInnen in der Ukraine
Michael Hankel

Die Arbeit in der Bibliothek kann auch spannend sein!
Loana Junge

Ich weiß jetzt, dass es sich lohnt einen Schritt ins Unbekannte zu machen
Moritz Winkler

Keine jüdische Geschichte in Berlin-Charlottenburg?
Yvonne de Andrés


Menschen, die wissen worum es geht
Die Kreisau-Initiative Berlin
Annemarie Cordes

Kollektenbitte für die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste

Die Predigthilfe als PDF

Quelle: Homepage der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste

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Predigthilfen zum 27. Januar

Die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) bietet jedes Jahr eine Predigthilfe zum 27. Januar, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus.
 

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