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5. Mose 6, 4-9 - 1. Sonntag nach Trinitatis

Eine Art Brillant ...

Diamant im Brillantschliff; Foto: Mario Sarto/Wikipedia Commons

Das jüdische Glaubensbekenntnis als christlicher Predigttext. Eine Predigthilfe zum "Höre Israel". Von Evelina Volkmann, Stuttgart

Das Schma Jisrael (»Höre, Israel«), hat sich dem jüdischen Bewusstsein tief eingeprägt als das »Kennwort des Glaubens Israels« (Plaut). Es dient der Selbstvergewisserung der Sprechenden in ihrem Glauben. Israel ruft sich hier in der Person des Mose selbst auf, den Kern seines Glaubens zu hören, darüber zu sprechen und ihn zeichenhaft öffentlich zu machen. Diese Bedeutung hat das Schma im Judentum bis heute. Es gilt als die Quelle, von der das Judentum seit alters und immer von Neuem seine Kraft der Inspiration und der Erneuerung findet. Für das Judentum wurde das Schma Jisrael »zu einer Art Brillanten – das Licht des Glaubens lässt seine Worte in verschiedenen Farben hell funkeln« (Plaut).

Als Teil unserer christlichen Bibel sind uns diese Verse vertraut, als jüdisches Credo zunächst fremd. In diesem Sinn »gehört« der Text auch nur Israel. Für die Predigt stellt sich folglich die Aufgabe, dem jüdischen Verständnis von 5. Mose 6,4-9 gerecht zu werden und zugleich dieses Stück Bibel, das unseren einen Gott bekennt, für die christlichen Hörerinnen und Hörer auszulegen.

Zeichenhaft Zeugnis geben – Zum Text
In der Hebräischen Bibel werden in V. 4 zwei Buchstaben auffallend groß gedruckt: das ayin am Ende des ersten und das daleth am Ende des letzten Wortes. Zusammen gelesen ergibt dies hebr. ed, dt. »Zeuge«. Wer der Anordnung Moses in seiner Abschiedsrede zu Beginn der Landnahme folgt und das Schma Jisrael spricht, soll Zeuge sein für die Einheit Gottes. Wie bei den Zehn Geboten ist auch hier die vertraute Beziehung Gottes zu seinem Volk Israel die Basis alles Weiteren. Es war und ist bis heute immer ein und derselbe Gott – auch durch Krisenzeiten hindurch –, der sich für Israel eingesetzt hat, in Ägypten, am Sinai, in der Wüste und dann auch im Gelobten Land.

Die adäquate menschliche Antwort auf diese Gottesbeziehung ist Liebe. »Ein Midrasch sagt, dass wir diese Liebe am besten ausdrücken, wenn wir uns in einer Art und Weise verhalten, durch die Gott bei anderen beliebt wird« (Plaut). Wie dies gehen kann, wird in seinem Wie, Wann und Wo anschaulich: Der Gläubige vertraut sich in Liebe (V. 5) gänzlich mit Haut und Haar Gott an. Von dieser Beziehung zu Gott lässt er sein ganzes Leben von morgens bis abends (V. 7) bestimmt sein – durchaus öffentlich. Dieses Bekenntnis zu Gott wird am Türpfosten (V. 9) befestigt – und nicht im hintersten Winkel der Wohnung irgendwo versteckt. Es ist an Hand, Arm und Stirn des Gläubigen (V. 8) zu sehen, bestimmt also als »Denkband« sinnbildlich alles Tun und Handeln. Es wird an die nächste Generation weitergegeben (V. 7). Die Gottesbeziehung umfasst zahlreiche Dimensionen des Menschseins. Mehrmals täglich werden sie neu bewusst gemacht.

Die jüdische Tradition
V. 4, in dem das jüdische Volk bekennt, wer Gott ist und wer es selber ist, ist zum jüdischen Credo geworden, der gesamte Text zum einprägsamen, täglich gesprochenen Gebet. Kaum ein biblischer Text findet eine solch direkte Umsetzung in die religiöse Praxis wie dieser. So wurden diese Verse seit alters wörtlich – und nicht nur symbolisch – gedeutet und befolgt: In jüdischen Häusern sind an Türpfosten von Wohnräumen kleine Kapseln (Mesusa) zu entdecken. Darin befindet sich ein Pergamentröllchen mit diesen und weiteren Toraworten. Wer durch den Türrahmen geht und die Kapsel berührt, hält inne und weiß sich an den einen Gott erinnert und erneut auf ihn ausgerichtet. An Wochentagen sieht man beim Morgen- und Abendgebet der jüdischen Gläubigen wieder solche kleinen Kapseln, diesmal durch Lederbänder jeweils an Arm und Stirn der Betenden befestigt (Tefillin).

Das Schma Jisrael bringt man schon Kindern bei. Diese Worte sind oft die letzten, die Sterbende sprechen oder die man ihnen nachruft. Mit dem Schma Jisrael auf den Lippen starben jüdische Märtyrer. Auch in den Gaskammern erklang es.

Zeichen des Glaubens – Zur Predigt
Die Predigt des Schma rechtfertigt, ja bedingt es, an diesem Sonntag auf alle Fälle die überaus große Bedeutung dieser Worte – dieses Brillanten – für das Judentum zu unterstreichen. Es geht dabei um zweierlei:

Erstens ist klar, dass jeder und jede, der/die das Schma Jisrael mitspricht, Zeugnis vom einen Gott Israels ablegt. Das tun auch wir Christinnen und Christen im Gottesdienst am 1. Sonntag nach Trinitatis. Der Gott, an den wir glauben, ist der, den das Volk Israel schon lange (vor uns) bekennt. Daher gibt es den christlichen Glauben und das christliche Credo nicht ohne Würde und Respekt des Judentums. In diesen Zusammenhang gehört auch der Hinweis auf Mk. 12,28-34: Für Jesus gehört das Schma Jisrael – und hierin folgt er einem breiten Strang rabbinischer Tradition – mit dem Gebot der Nächstenliebe zu den höchsten Geboten.

Zweitens sind wir durch dieses lebendige, alltagsbezogene Glaubenszeugnis selber gefragt: Wo und wie geben wir dem Glauben an den einen Gott Gestalt? Wo zeigt sich unsere Gottesliebe? Wo verhalten wir uns so, dass Gott dadurch bei anderen beliebt wird? Was und wie bezeugen wir?

Ausgehend vom Bibeltext, der von »Zeichen« und »Merkzeichen« spricht, schlage ich für die Predigt vor, über die Zeichen nachzudenken, die unseren christlichen Glauben an den einen Gott bezeugen – im Blick auf die Gemeinde und im Blick auf die Einzelnen. Woran erkennt man eine Gemeinde als christliche? Was findet man an den Türpfosten unserer Wohnungen, Eigenheime, Kirchen und Gemeindehäuser (virtuell) geschrieben? Was sind tatsächlich unsere evangelischen Markenzeichen? Wodurch vergewissern wir uns unseres Christseins?

In der Predigt gilt es zu entfalten, dass solche Zeichen – wie im Judentum auch – nicht nur äußerlich sind, sondern die innere Verbundenheit mit Gott und damit unseren christlichen Glauben zum Ausdruck bringen. So kann das Schma auch uns Christinnen und Christen zu einer Art Brillanten werden, durch den unser christlicher Glaube neu funkeln wird.

Literatur:
W. Gunther Plaut (Hg.), Die Tora in jüdischer Auslegung, Bd. V, Dewarim – Deuteronomium, Gütersloh o.J. (2004).

Liturgie:
Schriftlesung: Mk. 12,28-34
EG 295     »Wohl denen, die da wandeln«
EG 321     »Nun danket alle Gott«
EG 326     »Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut«

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 4/2008
online Quelle: www.pfarrverband.de
Mit freundlicher Genehmigung der Autorin Dr. Evelina Volkmann und des Schriftleiters Dr. Peter Haigis auf www.reformiert-info.de.

Dr. Evelina Volkmann, Kirchenrätin der Evangelischen Landeskirche in Württemberg

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