Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Konferenz zum ''verheißenen Land''

Neue Blickwinkel im israelisch-palästinensischen Konflikt

Die Mauer zum Westjordanland, südlich von Hebron

Ein besseres Verständnis der Land-Frage in Bibel, Theologie und im aktuellen israelisch-palästinensischen Konflikt ist eines der zentralen Resultate der internationalen Konferenz zum Konzept des "verheißenen Landes" vom 10. bis 14. September in Bern.

Die Konferenzteilnehmenden erklärten, die seit Jahrzehnten andauernde Gewalt in Israel-Palästina stelle christliche Theologen/innen vor die Herausforderung, "lebensbejahende" Antworten auf den Konflikt herauszuarbeiten. Die Bibel "darf nie missbraucht werden, um Unterdrückung zu rechtfertigen oder grob vereinfachende Stellungnahmen zu aktuellen Ereignissen abzugeben", heißt es im Schlussdokument.

Die Konferenz, die vom 10. bis 14. September 2008 stattfand, wurde vom Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund und den Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn ausgerichtet. Sie gehört in den Kontext des Ökumenischen Forums für Israel/Palästina, einer zwischenkirchlichen Advocacy-Initiative. Die 85 Teilnehmenden kamen aus Europa, dem Nahen Osten, Nord- und Südamerika, Afrika und Asien.

Die konkrete Einbeziehung palästinensischer Christen in die Diskussion trug dazu bei, den Blickwinkel signifikant zu erweitern, erklärten die gastgebenden Kirchen in einem Kommuniqué. "In kontroversen und teilweise leidenschaftlichen Debatten entwickelte sich eine konstruktive Sensibilität für die Kernfragen."

Theologen/innen aus Europa und Nordamerika berichteten über die Fortschritte, die in jahrelangen Dialogen zwischen Christen und Juden erreicht worden sind. Die Konferenzteilnehmenden würdigten diesen "jüdisch-christlichen Heilungsprozess", brachten jedoch auch die Hoffnung zum Ausdruck, dass in Palästina-Israel lebende Christen/innen in Zukunft ebenfalls in diese Dialoge einbezogen und ähnliche Dialoge mit der muslimischen Gemeinschaft geführt würden.

"Lasst uns die Fragen nach dem 'verheißenen Land' auch weiterhin kritisch und kreativ diskutieren und in der Bibel und unseren Traditionen lebendige Metaphern für mehr Gerechtigkeit, Frieden, Versöhnung und Vergebung neu entdecken, damit die Erde und all ihre Bewohner die Fülle des Lebens haben", heißt es in dem Schlussdokument, den sog. "Berner Perspektiven".

Es gehe insbesondere "um die Unterscheidung zwischen der Geschichte des Heiligen Landes und biblischen Geschichten", heißt es weiter in dem Dokument, "aber ebenso um eine konstruktive Differenzierung zwischen dem biblischen Israel und dem modernen Staat Israel."

Neun Podiumsdiskussionen setzten sich aus ganz unterschiedlicher Perspektive mit dem Konzept des "verheißenen Landes" und damit verwandten Fragen auseinander. Die in Bern angesprochenen Fragestellungen werden in einem breit angelegten Prozess weitergeführt werden müssen, einschließlich der Ausarbeitung von Materialien für die Friedensarbeit in Kirchengemeinden.

Während der Konferenz besuchten die Teilnehmenden das "Haus der Religionen", das in Bern aus jahrelangen Bemühungen um den Aufbau von Beziehungen zwischen christlichen, jüdischen, muslimischen und anderen Religionsgemeinschaften hervorging. Im ökumenischen Gottesdienst zum Abschluss der Konferenz hob der palästinensische Theologe Jamal Khader den zentralen Stellenwert Jerusalems für die zwei Völker und drei Religionen hervor, die dort beheimatet sind: "Frieden fängt in Jerusalem an und wird in die Welt hinaus strahlen."

Vollständiger Text der "Berner Perspektiven" (auf Englisch):
http://www.oikoumene.org/?id=6281&L=2

Foto-Galerie von der Eröffnungsveranstaltung:
http://www.oikoumene.org/?id=6280&L=2

Weitere Informationen über die Konsultation:
http://www.oikoumene.org/de/nachrichten/news-management/a/ger/article/1722/internationale-oekumenisc.html

ÖRK-Programm "Kirchen im Nahen Osten: Solidarität und Zeugnis für den Frieden":
http://www.oikoumene.org/?id=3113&L=2

Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund:
http://www.sek-feps.ch

Meldung der EKD:
Kein menschenleeres Land
Sehr offene und emotionale Diskussionen in Bern
17. September 2008

 


ÖRK-Nachrichtendienst, 16. September 2008
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85 Theologen aus dem Nahen Osten, Europa und Amerika sprachen über das ''verheißene Land''

Ein besseres Verständnis der Land-Frage ist eines der zentralen Resultate der internationalen Konferenz zum „verheissenen Land“. Sie wurde am Sonntag auf Einladung der französischen Kirche Bern mit einem Gemeindegottesdienst im ökumenischen Rahmen abgeschlossen.
Kirche und Israel seit der Gründung des Staates 1948

Die Gründung des politischen Staates wurde von Beginn an und wird bis heute aus christlicher Sicht auf Grund der biblischen Landverheißung auch theologisch beurteilt. Zum Bund Gottes mit Abraham gehört die Zusage des Landes "von dem Strom Ägyptens an bis an den großen Strom Euphrat" (1. Mose 15, 18).
 

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