Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

ÖRK: Botschaft zu Pfingsten 2011

Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird. (Apostelgeschichte 1,8)

Pfingsten, Glasfenster von Frère Eric, Taizé

''Die Kraft, die die Jünger an Pfingsten mit der Ankunft des Heiligen Geistes erhielten, betraf nicht nur ihre eigene spirituelle Fortentwicklung (...). Sie war keine individualistische Erleuchtung, kein glücklicher Zustand der Ekstase für sie, den sie für sich allein würden genießen können. Sie wurde geschenkt, um das Evangelium der Erlösung in alle bewohnte Welt – die oikumene – zu bringen, um die Arbeit zur Veränderung der Welt, die von Christus begonnene Arbeit, fortzusetzen''.

Die Pfingstbotschaft der Präsidentinnen und Präsidenten des Ökumenischen Rats der Kirchen 2011

Die Verheißung des vor seiner Auffahrt auferstandenen Christus wurde an Pfingsten in zwei Ausdrucksformen der Macht Wirklichkeit: in dem Brausen „wie von einem gewaltigen Wind“ und in „Zungen wie von Feuer“ (Apg 2,2-3). Die Ankunft des Heiligen Geistes ist mit keinen Worten zu beschreiben. Deshalb benutzt der Evangelist Lukas den Vergleich „wie“.

Der mächtige Wind erneuerte die ganze Atmosphäre vollständig; er schaffte ein neues Klima, ein lebenspendendes Umfeld zum Atmen und voller Energie. „Diese Energie erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.“ Die Jünger wurden überflutet von dieser göttlichen Energie, in sie eingetaucht, in ihr „getauft“, wie es der Herr bereits früher angekündigt hatte: „Ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen“ (Apg 1,5).

Die zweite Ausdrucksform der Macht wird symbolisiert durch die „Zungen wie von Feuer“. Sie sind Ausdruck der unerschaffenen Energie Gottes. Das Feuer brennt, wärmt, erleuchtet. Der Heilige Geist handelt in der Welt „als“ Feuer; er verbrennt alles, was gefährlich oder unnütz ist, und gleichzeitig wärmt, tröstet und stärkt er. Der Heilige Geist wird immer eine Quelle der Erleuchtung bleiben und die Wahrheit über das Rätsel der heiligen Dreieinigkeit und der menschlichen Existenz offenbaren.

Der Heilige Geist kam zu einem Zeitpunkt, als „sie alle an einem Ort beieinander“ waren (Apg 2,1), um ein Dankfest zu feiern – „das Pfingstfest“. Er kam zu einer Versammlung von Gläubigen – den „etwa hundertzwanzig“ Brüdern (vgl. Apg 1,15) –, um diese Versammlung in die Kirche des dreieinigen Gottes zu verwandeln. Der „gewaltige Wind“ hatte seinen Ursprung nicht irgendwo auf der Erde, sondern kam „vom Himmel“, vom „Vater im Himmel“. Das Feuer war in Zungen gespalten und „setzte sich auf einen jeden von ihnen“. So wird die direkte Beziehung zwischen dem Geist und dem Wort Gottes (dem logos) sowie das Persönliche der göttlichen Gaben offenbart. Der Heilige Geist offenbart Christus als Herrn und Heiland (vgl. 1.Kor 12,3) für die Menschen und bringt ihn zusammen mit seiner Gnade in ihre Herzen. Der Heilige Geist führt die erlösende Arbeit Christi in Zeit und Raum fort und strahlt die göttliche Energie auf eine für den menschlichen Verstand oft unbegreifliche Art aus. „Der Wind (Pneuma) bläst, wo er will“ (Joh 3,8).

Die Kraft, die die Jünger an Pfingsten mit der Ankunft des Heiligen Geistes erhielten, betraf nicht nur ihre eigene spirituelle Fortentwicklung und persönliche Weiterentwicklung. Sie war keine individualistische Erleuchtung, kein glücklicher Zustand der Ekstase für sie, den sie für sich allein würden genießen können. Sie wurde geschenkt, um das Evangelium der Erlösung in alle bewohnte Welt – die oikumene – zu bringen, um die Arbeit zur Veränderung der Welt, die von Christus begonnene Arbeit, fortzusetzen: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde“ (Apg 1,8). Die Jünger, die bis dahin ängstlich gewesen waren, wurden in mutige Apostel verwandelt, in diejenigen, die gesandt wurden, das Wirken Christi in der Welt fortzuführen. Und so wurde die Kirche für alle Zeit „apostolisch“.

Der unerschütterliche Wunsch eines jeden Gläubigen ist es, ein Tempel für den Heiligen Geist zu werden, dass jeder mit der Reife der Frucht des Geistes in sich (Gal 5,22) perfektioniert werde, so dass der Geistes der Liebe, der Wahrheit, der Heiligkeit und der Versöhnung in jedem wohnt – im eigenen Umfeld und für die, die nah und die, die fern sind – und so zu einer ständigen Erneuerung der Menschheit beitrage.

Jedes Mal wenn wir Pfingsten feiern, ist dies für jede Kirchengemeinde und für jeden von uns eine Möglichkeit, eucharistisch und doxologisch die Ankunft und die Gabe des Heiligen Geistes zu leben, unser Vertrauen auf die Macht des Heiligen Geistes zu erneuern und aus der Tiefe unserer Seele zu flehen:

Allmächtiger Geist, „komm und wohne in uns und reinige uns von allen Flecken“:

Stärke unseren Mut und unsere Entschlossenheit.

Erneuere uns und gib uns neuen Atem und der Kirche Kraft.

Und gib uns die Kraft, in der heutigen leidenden Welt,

„Märtyrer“ des Kreuzes und der Auferstehung zu sein,

Zeugen für Gerechtigkeit, Frieden und Hoffnung.

Erzbischof Dr. Anastasios von Tirana und ganz Albanien, Autokephale Orthodoxe Kirche von Albanien
John Taroanui Doom, Evangelische Kirche von Maòhi (Französisch-Polynesien)
Pfr. Dr. Simon Dossou, Protestantisch-Methodistische Kirche von Benin
Pfr. Dr. Soritua Nababan, Protestantisch-Christliche Batak-Kirche (Indonesien)
Pfarrerin Dr. Ofelia Ortega, Presbyterianisch-Reformierte Kirche in Kuba
Patriarch Abune Paulos, Äthiopischen Orthodoxen Tewahedo Kirche
Pfarrerin Dr. Bernice Powell Jackson, Vereinigte Kirche Christi (USA)
Dame Dr. Mary Tanner, Kirche von England

 

Der Ökumenische Rat der Kirchen fördert die Einheit der Christen im Glauben, Zeugnis und Dienst für eine gerechte und friedliche Welt. 1948 als ökumenische Gemeinschaft von Kirchen gegründet, gehören dem ÖRK heute mehr als 349 protestantische, orthodoxe, anglikanische und andere Kirchen an, die zusammen über 560 Millionen Christen in mehr als 110 Ländern repräsentieren. Es gibt eine enge Zusammenarbeit mit der römisch-katholischen Kirche. Der Generalsekretär des ÖRK ist Pfarrer Dr. Olav Fykse Tveit, von der (lutherischen) Kirche von Norwegen. Hauptsitz: Genf, Schweiz.

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Geburtstag der Kirche - Kommen des Heiligen Geistes

 

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