Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Komparative Theologie - Eine Alternative zu bisherigen religionstheologischen Konzepten?

Kurze Einführung und Literaturtipps zur Verfahrensweise ''Komparativer Theologie'' im Umgang mit religiöser Pluralität

Friedmann Eißler, Referent für Islam und andere nichtchristliche Religionen sowie den interreligiöser Dialog in der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen in Berlin (EZW), erläutert den Ansatz "Komparativer Theologie" im Vergleich zu einer "Theologie der Religionen".

Friedmann Eißler schreibt im EZW-Materialdienst Dezember 2011:

"Wie verhält sich das Christentum zu den nichtchristlichen Religionen? Wie gehen wir mit religiöser Pluralität um? In welcher Haltung, auf welcher Grundlage geschieht die Begegnung mit Andersglaubenden? Wie steht es um das Verhältnis von Zeugnis und Dialog? Wer sich der Gegenwart nicht verschließen will, sucht Antworten auf diese Fragen. Die Religionswissenschaft leistet ihren Beitrag mit Deskription und Analyse aus der Außenperspektive. Die Theologie der Religionen versucht, eine Verhältnisbestimmung aus der Innenperspektive heraus zu entwickeln. Dabei hatte man sich über lange Zeit an einem Dreierschema von Exklusivismus, Inklusivismus und Pluralismus orientiert, dessen Diskussion jedoch zunehmend als unbefriedigend empfunden wird. Das Schema ist trotz aller Differenzierungsbemühungen zu starr, und es versucht, ganze Systeme in den Blick zu nehmen, um zu einem religionstheologischen Urteil über sie zu kommen. Zu viel Abstraktion, zu pauschal der Versuch, auf diesem Wege über religiöse Wahrheitsansprüche zu befinden – so die Ansicht einer wachsenden Zahl theologischer Forscher vor allem aus dem katholischen Bereich. Sie bringen mit neuen Fragestellungen neue Dynamik in die religionstheologische Debatte.

Die recht unterschiedlichen Ansätze und Verfahrensweisen werden unter dem Begriff „Komparative Theologie“ zusammengefasst. Die Pioniere der hierzulande noch wenig bekannten Entwicklung gehen neue Wege und haben nichts weniger als die Überwindung der bisherigen Aporien in Angriff genommen. Dabei steht ein Anliegen im Vordergrund: Wie kann der Wahrheitsanspruch des eigenen Glaubens mit einer respektvollen, ja positiven Würdigung anderer Religionen in Verbindung gebracht werden? Es wird als Grunddilemma empfunden, wie der Paderborner katholische Theologe Klaus von Stosch es genannt hat, dass keines der bisherigen religionstheologischen Modelle Antwort auf diesen doppelten Wunsch geben kann. In einer „interreligiösen, vergleichenden, dialogischen und zugleich auch konfessionellen Theologie“ sollen daher durch Begegnung und Vergleich konkrete Elemente der Lehre und der religiösen Praxis verglichen und auf diesem Wege (Vor-)Urteile aus der Vogelperspektive vermieden werden."
>>> weiter online: http://ezw-berlin.de/html/15_1262.php


bs, 16. Dezember 2011
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