Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Noch einmal neu anfangen – ein Gottesgeschenk

Jahr der Taufe in Westfalen abgeschlossen – Präses Buß: Taufe ist voraussetzungslos, aber nicht folgenlos

Grafik: EKvW

BIELEFELD/WESTFALEN - „Noch einmal neu anfangen, nochmals den ersten Atemzug tun – neu geboren werden“: Auf diese grundlegende Bedeutung der Taufe hat der westfälische Präses Alfred Buß hingewiesen. „Vielleicht ist es das, was so viele Menschen suchten im Jahr der Taufe, was sie spürten bei den vielen Tauffesten und jetzt wieder zu Weihnachten: die Nähe Gottes und die Fülle des Lebens“, so der leitende Theologe der Evangelischen Kirche von Westfalen am zweiten Weihnachtstag (26.12.) in einem Gottesdienst in der Zionskirche Bielefeld-Bethel. Damit fand das Jahr der Taufe in der westfälischen Landeskirche seinen offiziellen Abschluss.

Unter dem Leitmotiv „Gottesgeschenk“ stand die Taufe 2011 in der evangelischen Kirche in Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus besonders im Mittelpunkt. „Wir dürfen uns dieses Gottesgeschenk gefallen lassen – im Leben und im Sterben“, sagte Präses Buß: „Taufe ist voraussetzungslos. Aber nicht folgenlos. Sie will uns an die Krippe des Kindes von Bethlehem führen, immer neu, unser Leben lang.“

Gott wende sich in seiner Freundlichkeit und Menschenliebe den Menschen zu: „Er will dort sein, wo Leben geschändet wird, wo Menschen an ihrer Schwäche ertrinken und wo der Tod sie zeichnet, oft, ehe sie geboren wurden. Das Kind von Bethlehem gibt dem Schwachen Würde.“ Weihnachten bedeute auch, hinter den Zahlen die Menschen zu sehen: „Erzählen statt zählen. Erzählen heilt. Zuhören auch.“

Taufen an ungewöhnlichen Orten

Die gewonnenen Erfahrungen dieses Jahres sind vielfältig und sollen auf verschiedenen Ebenen ausgewertet werden. In 20 der 31 westfälischen Kirchenkreise fanden große Tauffeste mit bis zu 120 Taufen statt, meist an ungewöhnlichen Orten wie Wald, Flussufer, Park oder Freilichtmuseum. Dabei wurden nach den jetzt vorliegenden Zahlen über tausend Kinder, Jugendliche und Erwachsene getauft.

Alleinerziehende und Patchworkfamilen

Ein wesentliches Ziel dieser Tauffeste wurde erreicht: Eltern, die ihrer Kirche nicht eng verbunden sind, Alleinerziehende und Patchworkfamilien folgten der Einladung und ließen ihre Kinder taufen. Bislang wurden bei diesen Festen insgesamt über tausend Kinder, Jugendliche und Erwachsene getauft. Außerdem gab und gibt es noch bis Jahresende ähnliche Tauffeste in einzelnen Gemeinden. Eine abschließende Auswertung wird im Februar vorliegen.

Mit dem Jahr der Taufe soll auch die Kinderfreundlichkeit in den Gemeinden gefördert werden. Auch hier kam es zu zahlreichen Anstößen, etwa in der Musik: Eltern mit ganz kleinen Kindern werden eingeladen, mit ihren Kindern zu singen. Dazu ist inzwischen ein Liederheft mit CD erschienen.

Oft haben Taufeltern Probleme, Paten zu finden. Nach der Kirchenordnung muss mindestens ein Pate oder eine Patin evangelisch sein. Das Patenamt soll jetzt theologisch reflektiert werden – mit Blick auf die gesellschaftliche Wirklichkeit, in der Kirchenbindung nicht mehr selbstverständlich ist.

Weitere Beispiele kreativer Möglichkeiten: Tauferinnerungsgottesdienste für Menschen mit Demenz oder Glaubens- oder Taufkurse für Erwachsene. Die Ausstellung „Jahr der Taufe 2011“ wanderte durch 44 Gemeinden und wurde von rund 12.000 Menschen gesehen.


Pressemitteilung der EKvW, 26. Dezember 2011
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