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''Seht die Lilien auf dem Felde''. Von der Schönheit der Schöpfung
Predigt zu Mt 6,28f

„Seht die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen.“ (Mt 6,28f.)
Liebe Gemeinde,
vielleicht haben Sie eine Lilie vor Augen: nicht die Topfpflanze aus dem Gartencenter, sondern eine Lilie auf einem Feld, irgendwo draußen. Sie steht da, ohne Zaun, ohne Gewächshaus, ohne Bewässerungssystem. Und sie ist einfach schön. Überbordend, verschwenderisch schön. Jesus sagt nicht: „Denkt über die Lilien nach“, sondern: „Seht die Lilien…“i – Schaut hin! Nehmt sie wahr! Er unterbricht unseren schweifenden Blicklauf, der normalerweise von Problem zu Problem, von Aufgabe zu Aufgabe, von Sorge zu Sorge huscht. Und Jesus richtet unseren Blick auf etwas, das wir im Alltag oft übersehen: auf die Schönheit.ii Im Kontrast dazu stellt Jesus „Salomo in aller seiner Herrlichkeit“: Wir denken an Salomos königliche Roben, Reichtum, Inszenierung von Macht, alles Menschenwerk. Und dann sagt Jesus: All das kommt nicht an die Schönheit einer einzigen Lilie heran. Die geschenkte, zarte Schönheit der Schöpfung übertrifft die größte menschliche Herrlichkeit. Allein diese Gegenüberstellung ist schon eine stille Kritik an einer Welt, in der Glanz meist das ist, was wir uns selbst machen – und in der wir deshalb ständig unter dem Druck stehen, dieses Gemachte auch zu halten.
1. Die Schönheit der Lilien – ein Durchblick
Die Lilie verweist uns auf die Schönheit der Schöpfung: Doch was ist das – Schönheit? In der Schönheit der Welt meldet sich „ein Ordnungszusammenhang, der unserem Bewusstsein vorausliegt.“iii Schönheit ist nicht bloß Geschmackssache, nicht nur „nice to have“, sondern sie ist ein Hinweis: Durch die Schönheit scheint etwas von Gottes Herrlichkeit, seiner „doxa“, wie es im Griechischen heißt, seiner Aura, die Gott selbst umgibt,iv hindurch. Die Lilien des Feldes sind transparent für das Geheimnis der Schöpfung; Wer auf die Lilien sieht, kann mehr als nur Blütenblätter. In ihrer Anmut leuchtet etwas auf von der Zukunft Gottes: mitten in einer entstellten Schöpfung, mitten im beschädigten Leben, mitten in einer von Hass, Gewalt und Krieg zerrissenen Welt.v
„Ungeachtet ihrer Vergänglichkeit wird in der Blütenpracht der Lilien die Welt zum Gleichnis für das angebrochene Gottesreich. Ihre Schönheit eröffnet einen Blick, der hinter der Oberfläche der Dinge die verheißene heilvolle Zukunft wahrnimmt“.vi Wenn Jesus also sagt: „Auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit war nicht gekleidet wie eine von ihnen“, dann geht es nicht nur um Stoffe und Kleider. Es geht um zwei Weisen von Herrlichkeit: einerseits die machbare, selbstproduzierte, statusgesättigte Herrlichkeit Salomos, und andererseits die geschenkte, unverdiente, zarte Herrlichkeit der Schöpfung, die Gott seiner Welt gibt. Die Lilie ist damit ein kleines Fenster in eine größere Wirklichkeit. In ihr schimmert etwas von dem durch, was Gott mit dieser Welt vorhat: Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist, wie Paulus das Reich Gottes beschreibt (Röm 14,17).vii
2. Kierkegaard: In die Schule der Lilien
Der bekannte dänische Philosoph Sören Kierkegaard hörte dieses Wort Jesu mit einem ganz eigenen Ernst. Kierkegaard stellt uns den Blick des Dichters auf die Welt vor – setzt uns eine poetische Brille auf, und seufzt: „O, daß ich eine Blume wäre, […] glücklich in mich selbst verliebt, […] – ach ich, der ich den Zwiespalt des Menschenherzens auch in meinem Herzen spüre“.viii Der Dichter empfindet es fast als Grausamkeit, dass das Evangelium sagt: „Du sollst wie die Lilie sein“ – während der Dichter doch spürt: ich bin es nicht, ich kann es nicht.ix Kierkegaard widerspricht dem nicht, aber er lässt das Evangelium stehen, in seinem „Du sollst“. Und er sagt: Du sollst wieder Kind werden, und dazu musst du lernen, dieses „Du sollst“ nicht als moralische Überforderung, sondern als liebevollen Ernst zu hören.
Was lehrt uns nun die Lilie, wenn wir sie als „Lehrmeisterin“ ernst nehmen?
Zuerst: Schweigen.x Kierkegaard sagt: Der Mensch kann reden, darum ist Schweigen für ihn eine Kunst – und eine große. Die Lilie schweigt. Sie kommentiert ihr Leben nicht. Sie führt keine inneren Debatten, sie diskutiert nicht mit Gott. Sie steht da, vor Gott, still. Kierkegaard verbindet das mit dem Wort: „Suchet zuerst das Reich Gottes.“ Was heißt das? Nicht: Als erstes noch eine Aufgabe, noch ein Projekt. Sondern: „Du sollst dich im tiefsten Sinne zu einem Nichts machen, zu einem Nichts werden vor Gott, schweigen lernen.“xi Der Anfang des Gottesreich-Suchens ist, sagt Kierkegaard, die Kunst, still zu werden; stille vor Gottxii – wie die Lilie. Kierkegaard zitiert Spr 9,10: „Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang“ und stellt fest: „[G]leichwie Gottesfurcht der Weisheit Anfang ist, ebenso ist Stillesein der Gottesfurcht Anfang.“xiii
Dann: Die Lilie lehrt warten. Sie fragt nicht: „[W]ann kommt der Frühling?“xiv Wann Regen? „Jetzt ist die Hitze zu groß, jetzt ist der Regen zu viel…“xv Sie wartet – und verpasst den Augenblick nicht. Wenn ihre Zeit kommt, blüht sie – und gerade weil sie geschwiegen und gewartet hat, trifft sie „den Augenblick“. Kierkegaard sagt: Vielleicht ist es das Unglück der meisten Menschen, dass sie „den Augenblick“ nie bemerken, weil sie nicht schweigen können.xvi Wer ständig redet, plant, kommentiert, kontrolliert, überhört das leise Kommen der entscheidenden Momente Gottes.
Schließlich: Die Lilie leidet.xvii Sie verwelkt, sie bleicht aus, sie lässt den Kopf hängen.xviii Sie kann nicht einmal kaschieren, dass sie leidet – aber sie macht ihr Leiden nicht größer als es ist. Sie schweigt. Diese Schule der Lilien ist hart. Sie nimmt uns nicht aus dem Leiden, aber sie will uns aus der Selbstüberhöhung herauslösen: „Du sollst dir vor Gott schlechthin nicht wichtiger werden als eine Lilie“.xix Deine Pläne, deine Leiden sind vor Gott nicht nichts – aber sie sind auch nicht alles.xx
3. „Sorget nicht… trachtet zuerst“ – Vertrauen lernen
An dieser Stelle denken wir wahrscheinlich an das bekannte Wort: „Sorget nicht um euer Leben…“ (Mt 6,25).xxi „Die Lilien des Feldes sind – wie die Vögel des Himmels – Vertrauenslehrerinnen“.xxii Sie erinnern uns an die Fürsorge Gottes, der um die elementaren Lebensbedürfnisse seiner Geschöpfe weiß und sie stillt – auch dort, wo sie weder säen noch ernten können. Von den Lilien geht ein „Ruf der Freiheit“xxiii aus – Freiheit von jener Sorge, die zum „Handeln aus Angst, [zur] praktizierte[n] Angst ums Dasein“xxiv wird, zur Angst, die uns innerlich aufzehrt. Jesus sagt nicht: Ihr dürft nicht mehr planen, ihr sollt keine Verantwortung mehr übernehmen. Nein! Er sagt aber: Euer Leben hängt nicht an eurer Sorge.xxv
Kierkegaard knüpft daran an und deutet: „Suchet zuerst Gottes Reich“, das heißt: Lass dein Tun nicht mit Aktionismus beginnen, sondern mit Schweigen und Beten. Wer betet und dabei immer innerlicher wird, dem gehen allmählich die Worte aus – er wird still, er wird zum Hörenden.xxvi „[B]eten heißt nicht, sich selber reden hören, sondern heißt dahin kommen, daß man schweigt, und im Schweigen verharren, und harren, bis der Betende Gott hört.“xxvii So Kierkegaard. Es entsteht eine Bewegung, in die uns die Lilie mit ihrer Wahrnehmung hineinnimmt: Die Lilie zeigt: Schönheit ist geschenkt, nicht gemacht. Sie lädt ein, der Sorge zu misstrauen, die alles selbst sichern will. Sie öffnet den Raum, in dem wir beginnen, zuerst nach Gottes Reich zu fragen – nicht nach unserem kleinen Imperium.
4. „Dass die Herrlichkeit nicht verdunkelt wird…“ – die ethische Spitze
An diesem Punkt könnte man meinen: Es geht um innere Seelenruhe, um einen geistlichen Ausstieg aus den Problemen unserer Zeit. Aber genau das ist nicht der Fall. Denn: Die Schönheit der Lilien ist das „empfindlichste ökologische Kriterium für die Integrität der Schöpfung“.xxviii Wo die Schönheit der Natur verschwindet, wo Landschaften veröden, Meere vermüllt, Arten ausgerottet werden, da geht nicht nur ästhetisch etwas verloren – da verliert die Welt ihre Transparenz für Gottes Herrlichkeit. Die Welt verliert ihre „Transparenz“, wenn wir sie zur bloßen Objekt-Sphäre degradieren, zur verwalteten Hülle. Dann sind wir „in der von uns verwalteten Welt wie in einer Hülse eingeschlossen“xxix und arbeiten mit jedem Schritt an der Verdinglichung der Welt.xxx Die Folge: Nicht nur die Natur wird zerstört, auch unsere Erkenntniskraft leidet – wir verlernen, die Welt als Schöpfung wahrzunehmen.
Hier bekommt das Wort Jesu eine sehr aktuelle Schärfe: Wenn die Lilien des Feldes Gleichnis des Gottesreiches sind, wenn ihre Schönheit ein Maß der Schöpfung ist,
dann ist der Umgang mit dieser Schönheit nicht beliebig. Die Lilien predigen uns nicht: „Macht es euch schön und lasst die Welt Welt sein.“ Sie predigen: „Seht, was Gott seiner Welt zugedacht hat: Herrlichkeit, ‚doxa‘ – und lebt so, dass diese Herrlichkeit nicht mutwillig verdunkelt wird.“
5. Praktische Einladungen – hier und heute
Was könnte es nun heißen, aus dieser „Predigt der Lilien“ zu leben? Vier Punkte abschließend dazu:
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Sehen lernen. Nehmen wir uns bewusst Momente des Hinschauens. Gehen wir mit offenen Augen durch unsern Tag. Wo sind die „Lilien“ in unserem Alltag – die kleinen, schönen, ungemachten Dinge, die uns geschenkt werden? Nicht nur in der Natur, auch im Gesicht eines Menschen, in einem Wort, in Musik.
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Schweigen üben. Nehmen wir uns am Tag einen kleinen Raum, in dem wir nichts tun müssen, nichts planen, nichts sagen – sondern einfach vor Gott da sind. Vielleicht hilft uns das Bild der Lilie: Stellen wir uns innerlich neben sie auf das Feld und sagen wie sie nichts.
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Vertrauen einüben. Legen wir die großen Sorgen unseres Lebens – wirtschaftliche Unsicherheit, Krankheit, Zukunftsangst – bewusst Gott hin. Nicht, indem wir sie verdrängen, sondern indem wir sagen: „Du, Gott, weißt, dass ich sie habe. Aber mein Leben hängt nicht an ihnen.“ Das ist nicht naiv, sondern eine andere, eine liliengleiche Weise, in dieser Welt zu stehen.
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Verantwortlich leben. Fragen wir uns ganz konkret: Wo trage ich dazu bei, dass die „Lilien“ weiterhin blühen können – im Wortsinn und im übertragenen Sinn? Welche Entscheidung bei Energie, Mobilität, Ernährung, Konsum könnte ein Schritt sein, der die Schönheit der Schöpfung schützt statt sie zu zerstören?
So, liebe Gemeinde, werden die Lilien zu Lehrmeisterinnen einer Haltung, die man vielleicht so zusammenfassen kann: stilles Vertrauen, wache Wahrnehmung, zarte, aber entschiedene Verantwortung.
Abschlussgebet
Gott, Schöpfer des Himmels und der Erde,
du kleidest die Lilien des Feldes in eine Schönheit,
die jede von uns gemachte Herrlichkeit übersteigt.
Öffne uns die Augen, dass wir deine Herrlichkeit
in deiner Schöpfung wahrnehmen.
Mach unser Herz still,
dass wir schweigen und hören lernen wie die Lilie auf dem Feld.
Löse uns aus der Sorge, die uns gefangen nimmt,
und lehre uns, zuerst nach deinem Reich und deiner Gerechtigkeit zu trachten.
Gib uns Mut und Fantasie,
deine schöne, verletzliche Welt zu bewahren,
damit in ihr etwas aufscheint
von der kommenden Herrlichkeit deines Reiches.
Durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Amen.
Fußnoten:
i Christian Link, Gleichnisse als bewohnte Bildwelten. Metaphorisches Reden von Gott, in: ders., In welchem Sinne sind theologische Aussagen wahr? Zum Streit zwischen Glaube und Wissen. Theologische Studien II, Neukirchen-Vluyn 2003, (67–78) 73f.: „Was es sagen will, erschließt sich am leichtesten, wenn man auf das prononciert ihm vorangestellte ‚Sehet!‘ achtet. Zu ‚sehen‘ nämlich ist hier nicht nur die ins Auge fallende Sorglosigkeit der Lilien. Das Sehen ist zugleich ein Sich-Ansprechen-Lassen. Ich sehe die Lilien, sehe aber zugleich auch etwas, das mir bei der bloßen Objektwahrnehmung verborgen bleibt und doch – für die Pointe des Wortes offenbar entscheidend! – dazugehört: mich selbst. Wir werden in den ‚Lebensentwurf‘ der Lilien von vornherein einbezogen und zwar so, daß wir ohne diese Eingliederung gar nicht verstehen könnten, wovon hier überhaupt die Rede ist. Die wörtliche Übersetzung macht das vollends deutlich: ‚Lernet von den Lilien…!‘ Es geht um die Einübung in einen Lebensvollzug. Wohl bleibt das Gleichnis auf dem Boden der Realität, in der es erzählt wird. Doch indem es die wildwachsende Schönheit der Lilien der arbeitsamen Sorge der Menschen gegenüberstellt, lenkt es die Aufmerksamkeit auf etwas qualitativ Neues, das sich als ein bislang Unbekanntes eben jetzt im schon Bekannten meldet, auf die Zukunft, die aller menschlichen Sorge zum Trotz in der salomonischen Pracht der Feldblumen aufscheint. Die naturhafte Wirklichkeit dieser Pflanzen, die ‚morgen in den Ofen geworfen‘ werden (Mt 6,30), erscheint wie aufgehoben in der sie übertreffenden Wahrheit Gottes, auf dessen Nähe alles, was lebt, Bestand, Dauer und darum zuletzt das Maß seiner Erfüllung empfängt. Das Gleichnis sagt mehr als jede botanische Beschreibung.“ Vgl. ders., Die Welt als Gleichnis. Studien zum Problem der natürlichen Theologie, BEvTh 73, 2. Aufl., München 1982, 197f.
ii Zur Schönheit: Matthias Zeindler, Gott und das Schöne. Studien zur Theologie der Schönheit, FSÖTh 68, Göttingen 1993. Jetzt auch: Justus Geilhufe, Gott und die Schönheit. Entdeckungen in der atheistischen Gesellschaft, München 2025.
iii Christian Link, Schöpfung. Ein theologischer Entwurf im Gegenüber von Naturwissenschaft und Ökologie, Neukirchen-Vluyn 2012, 67.
iv So Christian Link, Die Transparenz der Natur für das Geheimnis der Schöpfung, in: ders., Die Spur des Namens. Wege zur Erkenntnis Gottes und zur Erfahrung der Schöpfung. Theologische Studien, Neukirchen-Vluyn 1997, (171–194) 182.
v Vgl. Magdalene L. Frettlöh / Hans P. Lichtenberger, „Seht die Lilien auf dem Felde…“, in: dies. (Hg.), Gott wahr nehmen. Festschrift für Christian Link, Neukirchen-Vluyn 2003, (XIII–XVIII) XVI.
vi Ebd.
vii Vgl. Chr. Link, Schöpfung, 68.
viii Sören Kierkegaard, Die Lilie auf dem Felde und der Vogel unter dem Himmel, in: ders., Kleine Schriften 1848/49, Sören Kierkegaard Gesammelte Werke 21., 22. und 23. Abteilung, hg. von Emanuel Hirsch / Hayo Gerdes, GTS 619, Gütersloh 1984, 33.
ix Vgl. ebd.
x Vgl. a.a.O., 36.
xi Ebd.
xii Vgl. a.a.O., 37.
xiii Ebd.
xiv A.a.O., 40.
xv Vgl. ebd.
xvi Vgl. ebd.
xvii Vgl. a.a.O., 42.
xviii Vgl. Eberhard Jüngel, „Auch das Schöne muss sterben“ – Schönheit im Lichte der Wahrheit. Theologische Bemerkungen zum ästhetischen Verhältnis, in: ZThK 81 (1984), 106–126.
xix So S. Kierkegaard, Die Lilie auf dem Felde, 44.
xx Vgl. Byung Chul Han, Sprechen über Gott. Ein Dialog mit Simone Weil, Fröhliche Wissenschaft 254, Berlin 2025: Leere, Stille, Schönheit, Untätigkeit und auch Schmerz sind hier kapiteltragende Leitfiguren.
xxi Das „Sorget nicht…“ (Mt 6,25) umschreibt nach Hans G. Ulrich (Wie Geschöpfe leben. Konturen evangelischer Ethik, EThD 2, Münster 2005, 363; 394) die „ökonomische Existenzform“ des Menschen.
xxii M.L. Frettlöh / H.P. Lichtenberger, Seht die Lilien auf dem Felde, XVI.
xxiii Ernst Käsemann, Der Ruf der Freiheit., 5. erweiterte Aufl., endgültig Fassung, Tübingen 1972.
xxiv Ulrich Luz, Das Evangelium nach Matthäus. 1. Teilband: Mt 1–7, EKK I/1, 5. Aufl., Zürich–Düsseldorf 2002, 478.
xxv Hans G. Ulrich (Mensch werden als Gottes Subjekt, in: Ulrich Duchrow / Hans G. Ulrich [Hg.], Befreiung vom Mammon, Die Reformation radikalisieren Bd. 2, Berlin 2015, 213–228, 224) spricht im Blick auf Mt 6,25 vom „abgründigen Sorgen“.
xxvi So auch Hans G. Ulrich, Gebet, in: GuL 1 (1987), (13–21) 17: „Wenn es so um das Empfangen, das Hören im Gebet geht, dann lebt das Gebet davon, daß es konzentriert bleibt, daß die Gedanken nicht abirren, sondern ‚das Herz‘ dabei ist. Das Gebet ist die ausgezeichnete – die durch die Verheißung ausgezeichnete – Gelegenheit, sich nicht in den eigenen herumirrenden Gedanken, in den suchenden Wünschen und Erwartungen zu verlieren, womöglich sie dort erst recht zur Entfaltung zu bringen, sondern davon frei zu werden. Daher ist es gut, nicht viele Worte zu machen. So lernt der Beter in der Anrede auch sich selbst kennen; er lernt sein Herz kennen, erfährt, wo es einstimmt, mitbetet. Wenn das Gebet diese Art von Meditation ist, die aus der Selbstbetrachtung heraustreten läßt, dann bleibt das Gebet kein Selbstgespräch, sondern wird zur Anrede Gottes. Das Gebet ist die Gelegenheit, das womöglich endlos in sich selber kreisende Selbstgespräch zu unterbrechen und im Beten zum Hörenden und Empfangenden zu werden.“
xxvii S. Kierkegaard, Die Lilie auf dem Felde, 38.
xxviii M.L. Frettlöh / H.P. Lichtenberger, Seht die Lilien auf dem Felde, XVI.
xxix Chr. Link, Schöpfung, 207.
xxx Vgl. ebd.
Marco Hofheinz


