Detmers: Reformierten-Gipfel soll Ökumene voranbringen

epd-Gespräch: Stephan Cezanne

Leipzig/Hannover (epd). Die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen tagt vom 29. Juni bis 7. Juli in Leipzig: Die Generalversammlung mit rund 1.000 Teilnehmern aus 100 Ländern sei ein wichtiges ökumenisches Signal im Jahr des 500. Reformationsjubiläums, sagte der Generalsekretär des Reformierten Bundes in Deutschland, Pfarrer Achim Detmers, dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Hannover. Das Treffen diene der weiteren Annäherung zwischen Lutheranern und Reformierten.

In Wittenberg, dem Ursprungsort der Reformation, will sich die reformierte Weltgemeinschaft der "Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre" anschließen. Auf diese Erklärung hatten sich Lutheraner und Katholiken 1999 verständigt. Detmers erinnerte daran, dass sich die reformierte Linie der Reformation, die sich unter anderem Johannes Calvin (1509-1564) verpflichtet weiß, bereits 1541 beim Regensburger Religionsgespräch mit Vertretern der römischen Kirche über Grundfragen der Rechtfertigungslehre verständigt hat.

Seitdem habe es seitens der reformierten Theologie keine grundlegende Trennung zur römischen Kirche gegeben, was diese zentrale Verhältnisbestimmung von Gott und Mensch anbelangt. Zudem sollen in Wittenberg die Beziehungen zum Lutherischen Weltbund (LWB) vertieft werden, fügte Detmers hinzu. Die meisten lutherischen und reformierten Kirchen in Europa hätten seit den 1970er Jahren volle Kirchengemeinschaft vereinbart. Weltweit gäbe es aber noch zahlreiche Fragen, die künftig gemeinsam weiter beraten werden sollen.

In Zeiten globaler Krisen, des Klimawandels und großer sozialer Ungerechtigkeiten solle der Weltgipfel der Reformierten zudem Impulse setzen für eine neue christliche "Spiritualität des Widerstandes". Die Reformierten hätten bereits mit ihrer 2004 in Ghana verabschiedeten "Erklärung von Accra" einen "prophetischen Markstein zur Rolle der Kirchen in der Welt" gesetzt.

Vor allem was die Themen soziale Gerechtigkeit und Umwelt- und Klimaschutz angehe, gebe es inzwischen eine "große Schnittmenge" zwischen Papst Franziskus und reformierten Christen, sagte der promovierte Theologe mit Blick auf die Papst-Enzyklika "Laudato si'" von 2015. Diese Enzyklika bringe Themen zum Ausdruck, die auch in den reformierten, unierten aber auch lutherischen Kirchen seit den 1980er Jahren diskutiert würden.

Zum 500. Reformationsjubiläum sagte der Generalsekretär: Ein solches mediales Großereignis werde natürlich vor allem an der Person Martin Luthers (1483-1546) festgemacht. Zu bedenken sei jedoch, dass Luther bei seiner Reformation vielfach auf Ansätze und Reformen der spätmittelalterlichen Kirche zurückgegriffen habe.

Außerdem sei Luther nur einer von vielen Reformatoren gewesen. "Allein auf reformierter Seite gab es im 16. Jahrhundert 115 Reformatoren", sagte Detmers. Luther sei wichtig, er "ist eine Symbolfigur, aber die Umsetzung hat er natürlich nicht alleine bewerkstelligt, da mussten viele mit anfassen". An die reformierten Aspekte der Reformation wollten die Reformierten vor allem ab Anfang 2019 erinnern, wenn sich der Beginn der Tätigkeit des Reformators Huldrych Zwingli (1484-1531) in Zürich zum 500. Mal jährt.

Die Generalversammlung ist das höchste Gremium der reformierten Weltgemeinschaft. Sie tagt etwa alle sieben Jahre an verschiedenen Ort der Welt. Die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen gehört zu den größten protestantischen Vereinigungen der Welt. Die Mitgliedskirchen berufen sich unter anderen auf die Reformatoren Calvin und Zwingli. Insgesamt umfassen sie etwa 80 Millionen Christen aus reformierten, kongregationalistischen, presbyterianischen und unierten Kirchen. Die Geschäftsstelle der Weltgemeinschaft hat ihren Sitz in Hannover. (2027/22.06.17)

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