Dordrechter Synode (1618-1619)

Ein Schlüsseltext der reformierten Orthodoxie


Stich von François Schillemans aus den Jahren 1618–1619 (Ausschnitt) © gemeinfrei/Rijksmuseum

Ein theologischer Streit über Gnade, Erwählung und menschliche Freiheit führte 1618/19 Vertreter reformierter Kirchen aus ganz Europa nach Dordrecht.

Die Dordrechter Synode (auch Synode von Dordt genannt) war eine internationale Versammlung reformierter Kirchen, die vom 13. November 1618 bis zum 9. Mai 1619 in Dordrecht in den Niederlanden tagte. Sie wurde von der niederländischen reformierten Kirche einberufen und erhielt durch die Beteiligung ausländischer Delegierter eine überregionale Bedeutung. Möglich wurde die Zusammenkunft auch durch den Zwölfjährigen Waffenstillstand (1609–1621) im Verlauf des Achtzigjährigen Krieges zwischen den Niederlanden und Spanien.

Im Mittelpunkt der Beratungen stand der theologische Konflikt zwischen den Anhängern des niederländischen Theologen Jacobus Arminius, den sogenannten Remonstranten, und den Vertretern einer streng calvinistischen Prädestinationslehre. Während die Remonstranten die menschliche Willensfreiheit stärker betonten und davon ausgingen, dass der Mensch der göttlichen Gnade widerstehen könne, vertraten ihre Gegner die Auffassung, dass die Erwählung zum Heil allein auf Gottes souveränem Willen beruhe.

Die Synode verurteilte die Lehren der Remonstranten und verabschiedete die sogenannten „Lehrregeln von Dordrecht“ oder „Fünf Artikel gegen die Remonstranten“. Diese formulierten die Position der reformierten Orthodoxie in Fragen der Erwählung, der Erlösung durch Christus, der menschlichen Verderbtheit, der Wirksamkeit der göttlichen Gnade und der Beharrlichkeit der Gläubigen.

Neben den theologischen Entscheidungen beschäftigte sich die Synode auch mit kirchenorganisatorischen Fragen. Sie bestätigte die Confessio Belgica als verbindliches reformiertes Bekenntnis und trug zur weiteren Vereinheitlichung der reformierten Kirchen in den Niederlanden bei. Ihre Beschlüsse prägten die reformierte Theologie in Europa nachhaltig und wurden zu einem wichtigen Bezugspunkt insbesondere für calvinistisch geprägte Kirchen.