Kommt der Pfarrroboter?

Mittwochskolumne von Paul Oppenheim


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In der Evangelisch reformierten Kirche wird über ein neues „Ämtergesetz“ beraten. Treu der reformierten Ämterlehre sollen neben dem Pfarramt auch andere Ämter wieder eine stärkere Rolle spielen. Welche Bedeutung hat dabei die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI)?

Eine Nachricht aus Südkorea hat kürzlich in den Medien Furore gemacht: Ein von KI gesteuerter Roboter wurde als Mönch im größten buddhistischen Mönchsorden des Landes aufgenommen. Mit der Mönchsweihe soll nicht nur dem Nachwuchsmangel begegnet, sondern auch verdeutlicht werden, dass die traditionelle Religion keine Scheu vor der neuen Technologie hat. Der Androide im Mönchsgewand gibt Auskunft über die Lehre Buddhas und kann zeremonielle Gesänge leiten.

Die meisten Pastorinnen und Pastoren werden inzwischen ausprobiert haben, was Chat GPT und andere KI-Programmen in ihrem Berufsalltag leisten können. Mühelos gehen die Eröffnungs- und Fürbittengebete von der Hand und Taufansprachen lassen sich in Sekundenschnelle fertigen. Wer sich scheut, die Predigt ganz und gar der KI zu überlassen, kann sich immerhin ganz kräftig helfen lassen. Natürlich ist die Predigt im Nu auch ins Englische oder Arabische übersetzt, falls erforderlich. Ähnlich dem buddhistischen Vorbild könnte es wohl christliche Roboter geben, die die Fragen der Konfis beantworten und anregende Bibelstunden leiten könnten.

Zur Bewältigung der kirchlichen Verwaltungs-und Büroarbeiten bietet KI natürlich vielfache Lösungen an, die auch im weltlichen Bereich Einzug genommen haben. Ob Chatbots, die Lebensberatung oder gar Psychotherapie online anbieten, auch bald die persönliche Seelsorge ersetzen werden?

Ein neues „Ämtergesetz“ beantwortet diese grundlegenden Fragen nicht. Angesicht der Künstlichen Intelligenz muss wohl ganz neu darüber nachgedacht werden, welchen Stellenwert Predigt, Gottesdienst und Seelsorge im Zeitalter von KI haben sollen und welche Rolle dabei noch den menschlichen Amtsträgern zukommt?


Paul Oppenheim