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''Verbunden durch die eine doctrina Christi''
Calvins ekklesiologische Abhandlung in seinem Sadoletobrief (1539)

Am 18. März 1539 schrieb der italienische Kardinal Jacopo Sadoleto, Bischof von Carpentras, einen offenen Brief an die Kirchenführer, den Rat und die Bürger von Genf, die sich den Lehren der Reformation zugewandt hatten, um sie zur Rückkehr in den Schoß der römisch-katholischen Kirche zu bewegen. Anstatt sich auf die „in den letzten fünfundzwanzig Jahren eingeführten“ reformatorischen Neuerungen einzulassen, sollten sie lieber der bereits seit fünfzehn Jahrhunderten bestehenden Kirche von Rom folgen.
Die Genfer schickten Sadoletos Schreiben an die Berner Räte, die ihnen empfahlen, den Reformator Johannes Calvin um Rat zu fragen. Auf Bitte des Rates von Genf und auf Drängen seiner Freunde und Kollegen antwortete Calvin, der sich seit Ende April 1539 in der Verbannung in Straßburg befand, am 1. September mit einem innerhalb von sechs Tagen verfassten offenen Schreiben, dessen erste lateinische Ausgabe von Wendelin Rihel in Straßburg verlegt wurde, während seine französische Übersetzung im März 1540 in Genf erschien.
In dieser lehrhaften Erwiderung verteidigt Calvin die im Werden begriffene Genfer Reformation und erläutert, die Protestanten seien nicht darauf aus, die christliche Einheit zu zerstören, sondern die ursprüngliche Lehre, die Rom verloren habe, sowie die Sakramente der frühen Kirche wiederherzustellen. Dabei könne sich die Reformation mehr als die römische Kirche auf die Kirche der ersten Jahrhunderte berufen. Trotz ihres Alters, mit dem sie sich schmücke, sei nicht die Kirche von Rom, sondern jene, in der das Evangelium in seiner ursprünglichen Reinheit gepredigt werde, die wahre Kirche. Dagegen herrsche in der römischen Kirche „die Neigung vor [...] das Wort Gottes zu begraben“:
„Wo bleibt hier das Wort des Herrn, das deutlichste Zeichen, das der Herr selbst uns so oft anvertraut hat, wenn er uns die Kirche lehrte? Weil er nämlich voraussah, wie gefährlich es sein würde, losgelöst vom Wort über den Geist zu sprechen, hat er versichert, dass die Kirche vom Heiligen Geist geleitet wird [und] dass diese Leitung an das Wort gebunden ist, damit man nicht glaube, es sei vage und unsicher.“
Dass sich der Heilige Geist selbst an die Heilige Schrift als Gottes Wort gebunden habe und von ihr nicht getrennt werden könne, betont Calvin in seiner Entgegnung auf Sadoletos Brief in besonderem Maße. Der Geist sei nicht „versprochen“ worden, „um eine neue doctrina [Lehre] zu offenbaren, sondern um die Wahrheit des Evangeliums in die Herzen der Menschen einzuprägen“. Er gehe der Kirche voran, um sie im Verstehen des Wortes Gottes, d. h. der Heiligen Schrift, an der jede doctrina geprüft werden sollte, zu erleuchten.
Auf dieser Grundlage definiert Calvin die wahre Kirche als „eine Gemeinschaft, die – ausgebreitet über die ganze Welt und durch alle Zeiten hindurch existierend, jedoch verbunden durch die eine doctrina Christi und den einen Geist – Glaubenseinheit und brüderliche Eintracht“ festhalte und pflege. Ihre einzige Richtschnur sei Gottes Wort und dementsprechend besäßen die Kirchenväter und Kirchenkonzile nur dann Autorität, wenn sie der Norm der Heiligen Schrift entsprächen. Indem Rom das reine Wort Gottes verlassen habe, sei die Keuschheit der Kirche durch fremde Lehre angetastet und entweiht worden.
Calvins an Sadoleto gerichteter, aber für die Allgemeinheit veröffentlichter Brief zählt zu seinen frühesten Schriften und verbreitete seinen Ruf als Reformator in ganz Europa. Auch sein Reformatorenkollege Martin Luther las und lobte ihn: „Hier ist ein Brief, der Hand und Fuß hat. Ich bin glücklich, dass Gott solche Männer erweckt.“
Thomas Tews
Ausgehend von der Begegnung Israels mit Gott am Sinai fragt die Bibelarbeit nach den biblischen Wurzeln von Recht und Rechtsstaat und danach, wie Gottes Recht Menschen dazu befähigt, gerechte Verhältnisse zu gestalten.
Auch heute denken Reformierte über ihren eigenen Glauben nach - in ihren Schwerpunkte und Perspektiven setzen sie sich dabei oft mit Bewegungen unserer Zeit auseinander.




