Zufluchtsort französischer Glaubensflüchtlinge

Reformiertes Leben in der barocken Residenzstadt Celle


Evangelisch-reformierte Kirche in Celle © Bernd Schwabe

Mit der Ansiedlung französischer Glaubensflüchtlinge entstand westlich der Altstadt ein reformiert geprägtes Viertel, das die Entwicklung Celles nachhaltig beeinflusste.

Als Residenzstadt der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg erlebte Celle zwischen 1665 und 1705 eine Blütezeit. Herzog Georg Wilhelm ließ westlich der Altstadt eine barocke Vorstadt anlegen, in der sich neben Hofbediensteten und Handwerkern auch zahlreiche Glaubensflüchtlinge aus Frankreich niederließen. Die Hugenotten, die nach der Aufhebung des Edikts von Nantes ihre Heimat verlassen mussten, brachten handwerkliches Können, wirtschaftliche Impulse und ihre reformierte Glaubenstradition nach Celle.

Die neue Siedlung, die später zum Stadtteil Neuenhäusen wurde, entwickelte sich zu einem Zentrum reformierten Lebens und wurde zeitweise sogar als „Franzosensiedlung“ bezeichnet. Hier lebte der überwiegende Teil der französischen und deutschen Reformierten. Der hohe Anteil reformierter Hausbesitzer prägte das Erscheinungsbild der Vorstadt ebenso wie die 1700 errichtete französisch-reformierte Kirche mit ihren Nebengebäuden. Sie ist bis heute der einzige erhaltene hugenottische Kirchenbau Nordwestdeutschlands und erinnert an die besondere Rolle Celles als Zufluchtsort für reformierte Glaubensflüchtlinge.

Die barocke Stadterweiterung war Teil einer gezielten Ansiedlungspolitik. Herzog Georg Wilhelm erhoffte sich von den zugewanderten Handwerkern und Kaufleuten wirtschaftliche und kulturelle Impulse für sein Fürstentum. Tatsächlich trugen die internationalen Einflüsse von Franzosen, Niederländern, Italienern, Briten und deutschen Neubürgern wesentlich zum Charakter der Residenzstadt bei. Die Geschichte der reformierten Gemeinde ist daher eng mit der Entwicklung der Westceller Vorstadt verbunden und spiegelt die religiöse Vielfalt sowie die wirtschaftliche Dynamik Celles in der Barockzeit wider.