Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

''Jahr der Kirchenmusik'' reformiert eröffnet

Matinee mit Sätzen von Goudimel, Sweelinck, Händel und Mendelssohn Bartholdy und ein Vortrag über Johannes Calvin

v.l.n.r.: Cordelia Kopsch, Stellvertreterin des Kirchenpräsidenten der EKHN, Jörg Schmidt, Generalsekretär des Reformierten Bundes, Dr. Ulrich Oelschläger, Präses der EKHN-Synode, Dr. Jan R. Luth, Rijksuniversiteit Groningen, NL, Mechthild Gunkel, Vorsitzende des Reformierten Konventes in der EKHN, Pfrin. Susanne Bei der Wieden, Ev.-ref. Gemeinde Frankfurt

Der Auftakt zum "Jahr der Kirchenmusik" im Rahmen der Reformationsdekade erklang am Sonntag, 30. Oktober 2011 in der evangelisch-reformierten Gemeinde in Frankfurt am Main. Eingeladen hatten neben der Evangelisch-reformierten Gemeinde Frankfurt der Reformierte Bund in Deutschland und der Reformierte Konvent der evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN).

Jan R. Luth, Das Verständnis der Musik bei Johannes Calvin
und seine Nachwirkungen.pdf

Schon der festliche Gottesdienst zu Beginn war durch Psalmengesang und die Auslegung zu Psalm 33 geprägt. Zur anschließenden Matinee konnten dann der Generalsekretär des Reformierten Bundes, Pfr. Jörg Schmidt und die Vorsitzende des reformierten Konvents, Pfrin. Mechthild Gunkel, hochrangige Gäste begrüßen: den Präses der Kirchensynode, Herrn Dr. Ulrich Oelschläger und die stellvertretende Kirchenpräsidentin, Frau Oberkirchenrätin Cordelia Kopsch, die beide die Matinee mit Grußworten eröffneten. Dabei wies Oberkirchenrätin Kopsch mit einem Victor Hugo-Zitat auf die bedeutende Rolle der Musik hin: „Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist“. Präses Dr. Oelschläger stellte eine gewisse Nähe Calvins zum Musikverständnis Luthers fest.

Im Eröffnungsteil der Matinee zeigte der Frankfurt International Choir unter der Leitung von Wolfgang Grimm mit Sätzen von Goudimel, Sweelinck, Händel und Mendelssohn Bartholdy, welch reiches musikalisches Erbe auch aus der reformierten Glaubenstradition erwachsen ist.

Der aus Groningen angereiste Theologieprofessor Dr. Jan Luth machte in seinem anschließenden Vortrag anhand von Calvins Schriftauslegungen zum Epheser- und Kolosserbrief deutlich, wie sehr das reformierte Verständnis der Kirchenmusik oft noch durch Vorurteile und eine falsche Interpretation von Calvins Musikverständnis belastet ist. Entgegen der gängigen Meinung habe Calvin die Musik sehr geschätzt. Auch habe er keineswegs die gottesdienstliche Instrumentalmusik abgeschafft, sondern lediglich in altkirchlich-augustinischer Tradition an der Priorität gottesdienstlicher Vokalmusik festgehalten. Die Erarbeitung einer Theologie der Musik aus Calvins Schriften sei noch immer ein Desiderat der Forschung. Vielleicht trägt das kommende Jahr der Kirchenmusik dazu bei.

Jörg Schmidt, Generalsekretär des Reformierten Bundes  und Dr.
Jan R. Luth, Rijksuniversiteit Groningen, NL


Pfarrerin Dr. Susanne Bei der Wieden, Frankfurt am Main, 7. November 2011; ©Foto: evang.-ref. Gemeinde Frankfurt/M.

Jan R. Luth, Das Verständnis der Musik bei Johannes Calvin und seine Nachwirkungen.pdf

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