Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Der Islam aus evangelischer Perspektive

Eine Orientierungshilfe der Evangelischen Kirche A. und H.B.

Moschee des 1979 gegründeten Islamischen Zentrums in Wien; Foto: WIKIPEDIA

Die Evangelische Kirche in Österreich hat im Oktober 2011 ein bemerkenswertes Papier verabschiedet, das ein breites Spektrum an Informationen über und Positionen zum Islam aus evangelischer Perspektive formuliert. Auch wenn die Situation in Österreich sich von unserer darin unterscheidet, dass seit 1912 der Islam als Religionsgemeinschaft anerkannt ist, so sind doch viele Fragestellungen und Herausforderungen vergleichbar. Darüber hinaus bietet die Orientierungshilfe sehr fundierte und gut verständliche Informationen sowie eine breite Literaturliste.

Der Islam aus evangelischer Perspektive (2011) - online:

https://evang-43ea.kxcdn.com/wp-content/uploads/2015/07/amtsblatt201111-12sonder.pdf

Leseprobe zum "Begriff Dschihad"

"Der Begriff „Dschihad“ lässt sich mit „Anstrengung“ (für das Gute), „Einsatz für den Weg Gottes“ (gegen das Böse) übersetzen und meint nicht Krieg oder bewaffneten Kampf, wofür im Arabischen die Begriffe „harb“ oder „qital“ stehen. Der Koran versteht unter Dschihad in erster Linie den Einsatz für Gott durch das Zeugnis des Glaubens nach dem Vorbild Abrahams (Suren 22, 78; 29, 69). Die Mehrheit muslimischer Gelehrter und Theoretiker betont, dass sich eine solche Anstrengung auf den moralischen Kampf mit sich selbst gegen Egoismus und andere Begierden bezieht, was im Koran durchaus Anhalt hat; dies lässt sich auch als eine Antwort auf den Vorwurf verstehen, der Islam sei eine kriegerische Religion (vgl. z. B. Gülen 2005, 202 ff.).
Freilich kennt der Koran auch die militärische Verteidigung der Gemeinschaft der Gläubigen durch den bewaffneten Kampf, was auf die Angriffe der Mekkaner auf die Muslime noch während der Entstehungszeit des Islams zurückgeht (vgl. II.1.d). Dieser Pflicht sollen sich die Muslime stellen, auch wenn es ihnen zuwider ist (Sure 2, 216). Daher wurde und wird in der islamischen Tradition der Begriff Dschihad auch mit dem bewaffneten Kampf verbunden wie z. B. mit dem Widerstand gegen eine Besatzungsmacht. Dabei halten die Definition des Bösen und die Unterscheidung zwischen Verteidigung und Angriff einen großen Interpretationsspielraum offen."

aus dem Inhalt

II. Der Islam — eine kurze Orientierung

1. Muhammad und die Entstehung des Islams
a. Muhammads Leben vor der Berufung
b. Muhammads Berufung
c. Verfolgung und Auswanderung
d. Der Kampf gegen die Mekkaner
e. Geeintes Arabien
2. Die Botschaft des Korans
a. Ruf zur Umkehr
b. Gott
c. Muhammad, Prophet und Gesandter
d. Der Koran
e. Textgeschichte des Korans
3. Ein Abriss der weiteren Geschichte
a. Die ersten vier Kalifen
b. Die Abspaltung der Schiiten
c. Das Kalifat der Umaiyaden
d. Die Abbasiden — das „goldene“ Zeitalter
e. Der Fall Spanien
f. Machtwechsel
g. Der Kolonialismus und seine Folgen

III. Islam in Österreich

1. Geschichte
2. Organisationen und Vereine
a. Die IGGiÖ und ihr Umfeld
b. Gruppen in Opposition zur IGGiÖ
c. Türkische Verbände
d. Organisationen aus anderen muslimisch geprägten Ländern
e. Andere muslimische Richtungen
f. Andere Gruppierungen
3. Extremismus

IV. Christentum und Islam in ihrer wechselseitigen Wahrnehmung

1. Gesprächslagen
2. Muslimische Sichtweisen auf das Christentum
3. Christliche Sichtweisen auf den Islam

V. Einzelne Themenfelder

1. Politik, Recht und Kultur
a. Arabien — Land und Gesellschaft
b. Schmelztiegel religiöser Richtungen
c. Recht und Rechtsschulen
d. Im Wechselspiel von Religion und Umwelt
2. Religionsfreiheit
a. Geschichtliche Wurzeln
b. Rechtliche Grundlagen
c. Islam und Demokratie in Österreich
d. Moscheen und Minarette
e. Religionsfreiheit in islamischgeprägten Ländern
3. Frauen, Ehe, Geschlechtergerechtigkeit
a. Ehe und Beziehungsformen
b. Der umstrittene Koranvers
c. Rechtliche Bestimmungen
d. Askese und Vielehe
e. Kleider und Tücher
f. Debatten über weibliche Bekleidungen
g. Umstrittene Praktiken
h. Im Glauben gleich
i. Muslimische Frauenbewegungen
4. Mission
a. Der christliche Begriff der „Mission“
b. Der islamische Begriff der „Da’wa“
c. Ein Blick in die christliche Geschichte
d. Ein Blick in die muslimische Geschichte
e. Gegenwart
5. Gemeinsame geistliche Praxis

VI. Möglichkeiten der Begegnung

1. Miteinander sprechen
2. Feste wahrnehmen
3. Kultische Bestimmungen
4. Der Religionsdialog

VII. Christliche Theologie im christlich-muslimischen Gespräch

1. Voraussetzungen
2. Die Bibel
3. Jesus Christus
4. Der dreieinige Gott
5. Sünde und Erlösung
6. Glaube und Werke
7. Vorherbestimmung und Gericht


Dr. Beate Sträter / bs, März 2012
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Christlich-muslimisches Gespräch - Informationen zum Islam in Deutschland - Material für religiöse Feiern von Christen und Muslimen

 

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